Die grossen Jubilare des Jahrgangs 1813, Giuseppe Verdi und Richard Wagner, stehen dieses Jahr im Fokus des Musikbetriebs. Nun hat ein Konzert der Sinfonia Varsovia mit dem jungen britischen Gastdirigenten Michael Francis in der AMG-Reihe «World Orchestras» an zwei Komponisten erinnert, die 1913 geboren wurden, jetzt also 100 Jahre alt wären: Witold Lutoslawski und Benjamin Britten.

Das Interesse des Publikums galt aber wohl vor allem der Solistin: der Stargeigerin Anne-Sophie Mutter. Sie trat gleich in zwei Kompositionen auf. Zu Beginn spielte sie Lutoslawskis «Partita» in der Fassung für Violine und Orchester mit obligatem Soloklavier, die der Pole für sie geschrieben hat. Die fünf Sätze sind gekonnt, aber auch etwas routiniert instrumentiert; die manchmal abrupt wechselnden Stimmungen geben der Solistin Gelegenheit, alle Facetten ihres Könnens zu zeigen.

Mutter gestaltete ihren Part bravourös, hier mit traumverlorenen Pianolinien, dort mit schroffen Akzenten, doch selbst dann mit dem runden, ebenmässig leuchtenden, glatten Klang, den ihre Fans so lieben. Francis und das polnische Orchester waren sehr präsente, präzise Partner. – Hohe Präzision zeigten die Streicher auch in Brittens «Variations on a Theme of Frank Bridge» und Arvo Pärts «Cantus in Memory of Benjamin Britten». Die Register verbanden sich zu einem kompakten Streichercorps mit homogenem, dunkel grundiertem Klang. Sie spielten beide Stücke mit grosser Intensität und gestalteten unter Francis Leitung überzeugend die vielen Facetten der Britten-Variationen.

Schliesslich interpretierte Anne-Sophie Mutter den Solopart im Violinkonzert von P. I.Tschaikowskiy. Energisch und kraftvoll, doch auch mit beseelten Kantilenen gestaltete sie den Kopfsatz. Die Canzonetta des Mittelteils spielte sie in filigranem, ausdrucksvollem Piano, ja Pianissimo. Da konnte das Orchester nicht mithalten; seine Einwürfe waren zu laut, oft vergleichsweise derb. Im sehr rasch genommenen Schlusssatz demonstrierte die Geigerin schliesslich höchst virtuose Beweglichkeit. Humor bewies sie mit dem folklore-nahen Seitenthema, das sie geradezu bäurisch derb intonierte. Das Orchester agierte nun wieder auf Augenhöhe, neben den Streichern beeindruckten die sauber phrasierenden Bläser.