Theater Basel
Andreas Beck stellt seine zweitletzte Saison vor: «Theater ist keine Kapitalanlage»

Andreas Beck präsentierte am Dienstag den neuen Spielplan. In seiner vierten und vorletzten Spielzeit hält der Intendant an seinem Konzept der Basler Dramaturgie fest.

Mathias Balzer
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Spielplan-Pressekonferenz Spielplan-Pressekonferenz 2018/2019 des Theater Basel mit (von links) Almut Wagner (Direktorin Schauspiel), Andreas Beck (Intendant), Laura Berman (Direktorin Oper) und Richard Wherlock (Direktor Balett)
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Spielplan-Pressekonferenz Spielplan-Pressekonferenz 2018/2019 des Theater Basel mit (von links) Almut Wagner (Direktorin Schauspiel), Andreas Beck (Intendant), Laura Berman (Direktorin Oper) und Richard Wherlock (Direktor Balett) Im Bild: Laura Berman (Direktorin Oper) und Richard Wherlock (Direktor Balett)
Spielplan-Pressekonferenz Spielplan-Pressekonferenz 2018/2019 des Theater Basel mit (von links) Almut Wagner (Direktorin Schauspiel), Andreas Beck (Intendant), Laura Berman (Direktorin Oper) und Richard Wherlock (Direktor Balett) Im Bild: Almut Wagner (Direktorin Schauspiel)
Spielplan-Pressekonferenz Spielplan-Pressekonferenz 2018/2019 des Theater Basel mit (von links) Almut Wagner (Direktorin Schauspiel), Andreas Beck (Intendant), Laura Berman (Direktorin Oper) und Richard Wherlock (Direktor Balett) Im Bild: Richard Wherlock (Direktor Balett)
Spielplan-Pressekonferenz Theater Basel 2018
Spielplan-Pressekonferenz Spielplan-Pressekonferenz 2018/2019 des Theater Basel mit (von links) Almut Wagner (Direktorin Schauspiel), Andreas Beck (Intendant), Laura Berman (Direktorin Oper) und Richard Wherlock (Direktor Balett)

Spielplan-Pressekonferenz Spielplan-Pressekonferenz 2018/2019 des Theater Basel mit (von links) Almut Wagner (Direktorin Schauspiel), Andreas Beck (Intendant), Laura Berman (Direktorin Oper) und Richard Wherlock (Direktor Balett)

Kenneth Nars

Es ist seine vorletzte Saison und in gewissem Sinne auch seine letzte. Basels Theaterdirektor Andreas Beck hat gestern den Spielplan für 2018/19 vorgestellt. Er wird in einem Jahr auch noch denjenigen für die Saison 19/20 präsentieren. «Und zwar das komplette Programm: Spielplan, Besetzung und Budget», wie er betont.

Aber Beck wird kurz danach nicht mehr in Basel arbeiten, sondern ab September 2019 am Residenztheater München. «Der Auflösungsvertrag steht», sagt er. In der Schweiz werde man ja als Erstes gefragt, wie denn das mit dem Lohn geregelt sei, sagt er schnippisch. Dabei ist im Theaterbetrieb Usus: Die jeweils neue Leitung ist für die Vorbereitung der ersten Spielzeit mit einer Aufwandsentschädigung eher schlecht bezahlt. Dafür profitiert sie am Ende, wenn sie im letzten Jahr nicht mehr so viel gebraucht wird.

Zurzeit ist Beck in der Phase der Doppelbelastung. München fordert neue Ideen, Ankommen am Ort. In Basel soll es aber trotzdem an nichts fehlen. «Das ist intensiv», gesteht er.

Beck kennt das Basler Publikum

Eine «Lame Duck» ist Beck trotzdem nicht. Mit dem Briten Robert Icke, dem Isländer Thorleifur Örn Arnasson, dem Ungarn Andrés Dömötör, mit Regisseuren wie Stephan Kimmig oder Schorsch Kamerun bringt er neue, klingende Namen nach Basel. An der von Beck wieder belebten Basler Dramaturgie, dem Überschreiben von bestehenden Stoffen, halten er und sein Team fest.

Zurecht, denn es ist eine erfolgreiche Strategie. «Ich sag’s mal so: Das Schiff läuft und eine radikale Kurskorrektur wäre fahrlässig. Die Route führt nach Süden, aber doch mit einigen Abstechern auf unbekannte Inseln.»

Nach drei Saisons hat Beck ein Gespür für das Basler Publikum entwickelt. «Wie überall ist es auch hier so: Was man kennt, das funktioniert. Will heissen, ’Traviata’ funktioniert besser als ’Spieler’». Da unterscheide sich Basel nicht von anderen Orten. «Dennoch würde ich mir manchmal noch mehr Neugierde wünschen, eine grössere Bereitschaft, Stoffe, die ausserhalb des gängigen Repertoires liegen, zu entdecken», so Beck. «Anstatt immer das Bekannte abzufragen.»

Hier sei es so, und er meine dies keineswegs verbittert, dass am Ende des Abends gefragt werde: «War es mir das Geld wert?» Aber manchmal müsse eine Liebe eben auch grundsätzlicher Natur sein, ohne dass der Preis hinterfragt werde. Es passiere ja auch, dass Stücke, die einem im ersten Moment nicht gefallen, über die Zeit zu wichtigen Erinnerungen heranwachsen, so Beck.

«Theater ist keine Kapitalanlage. Es funktioniert anders. Im Gedächtnis, im Gefühl. Eine gute Aufführung, die etwas im Zuschauer bewegt hat, lebt in diesem fort bis an sein Lebensende.» Da ist die Leidenschaft des Theatermannes zu greifen: «Diese unbedingte Liebe, die fehlt mir manchmal hier. In der Kunst sollte man das Kosten-Nutzen-Denken hinten anstellen.» Wenn man das in den Vordergrund stelle, entdecke man nichts Neues.

Eine Frage der Politik

Wo die Liebe zur Kunst oder zum Theater hinfällt, kann aber durchaus marktwirtschaftlich begründet sein. Ein Theaterbesuch ist hierzulande oft ein teurer Spass. Dies obwohl Subventionen garantieren sollten, dass der Zutritt für alle Interessierten möglich ist.

Im deutschsprachigen Ausland sind die Ticketpreise um Vieles günstiger als in der Schweiz. Im Residenztheater München, Becks nächster Wirkungsstätte, kosten reguläre Tickets zwischen zehn und 54 Euro. In Basel liegen die Preise zwischen 30 und 137 Franken. Ein guter Premierenplatz kostet auch mal 180.

Beck würde gerne radikaler an den Preisen schrauben. 16 Franken pro Ticket, eine Flatrate, wie sie das Theaterhaus Gessnerallee in Zürich erfolgreich eingeführt hat, findet Beck «total richtig». Nur so könne eine grundsätzliche Neugierde erzeugt werden. Da sei jedoch die Politik gefragt.

In Basel gehört es zum Auftrag der Theaterleitung, 25 Prozent des Budgets selbst zu erwirtschaften. Ein hoher Wert. In München liegt dieser unter 20 Prozent, beim Basler Sinfonieorchester gar bei 13 Prozent.

Die Suche nach der Nachfolge Becks kommt nun in die heisse Phase. Die Findungskommission werde noch im Juni die Nachfolge bekannt geben, hiess es gestern. Wer immer es wird: Diese Person wird sich fragen müssen, ob die finanziellen Vorgaben für das Theater Basel richtig justiert sind.

30 Premieren und zwölf Uraufführungen

Das Theater Basel eröffnet seine Spielzeit 2018/19 mit einem spartenübergreifenden Projekt, an dem sowohl Theater, Ballet wie die Oper beteiligt sind: Der Dramaturg und Autor Ewald Palmetshofer hat John Drydens «König Arthur» dafür in eine zeitgenössische Fassung übertragen.
Dem Prinzip der Überschreibung bestehender Stücke folgen auch «Tartuffe» in der Fassung von Peter Licht, «Othello» von Nuran David Calis oder «Die Verschwörerin» von Joël László. Mit «Hotel Strindberg», einer Koproduktion mit dem Burgtheater Wien, wird wieder eine Arbeit des Regisseurs Simon Stone zu sehen sein.
Hausregisseur Thom Lutz inszeniert in den ausgedienten SRF-Studios in Basel ein «Radiorequiem» und kombiniert dieses mit Franz Xaver Kroetz’s «Wunschkonzert». Mit seiner Berliner Inszenierung von Max Frischs «Der Mensch erscheint im Holozän» kommen Judith Hofmann und Ulrich Matthes nach Basel. Die traditionelle Schweizer Literatur ist zudem mit Friedrich Dürrenmatts «Das Versprechen» und Roberts Walsers «Gehülfe» prominent im Spielplan vertreten.
Schorsch Kamerun wird Peter Handkes «Spuren der Verirrten» inszenieren. Der isländische Regisseur Thorleifur Örn Arnasson wird sich Schillers «Räuber» vornehmen und der Brite Robert Icke Arthur Millers «Hexenjagd».
Die Oper wird kommende Saison zum letzten Mal von Laura Berman programmiert. Sie setzt mit einem Auftragswerk einen Höhepunkt: Der Schweizer Komponist Michael Wertmüller und die deutsche Dramatikerin Dea Loher zeigen «Diodati.Unendlich» in Kooperation mit dem Sinfonieorchester Basel und der Band Steamboat Switzerland. Zudem wird Viktor Ullmanns Kammeroper «Der Kaiser von Atlantis oder die Todverweigerung» aufgeführt.
Weiter stehen Klassiker wie «Pelleas und Mélisande» von Claude Debussy, «Lucia di Lammermoor» von Gaetano Donizetti und «Madame Butterfly» von Giacomo Puccini auf dem Programm.
Das Ballet unter der Leitung von Richard Wherlock setzt seine Schwerpunkte mit den Produktionen «La Cage aux Folles», einer Tanzfassung von «Carmen» und der Inszenierung «Don’ Tell The Kids». Auffallend sind neben den Regisseurinnen und Regisseuren auch die musikalischen Gäste. Michael von der Heide und Noëmi Nadelmann sind ebenso zu erleben wie die Musiker der Band The Bianca Story oder der britische Popmusiker Antony Genn. (bal)