«Schreib mir! Ich werde dir schreiben! 077 485 27 87!», steht auf der geheimnisvollen Einladung auf Facebook. Die Knappheit des Textes macht neugierig, erinnert an eine Toilettentür, schwarzen Filzstift. Abenteuer. Aussicht auf weitere Nummern.

«Es ist natürlich ein Spiel mit dem Flirt», erklärt der Filmschaffende Milan Büttner. Es gehe dabei nicht um Erotik, sondern um den Flirt mit der Sprache, führt er aus, um die Lust am Text. Immerhin. Gemeinsam mit dem Ausstellungsmacher Alain Gloor, der Kunsthistorikerin Katharina Brandl und dem Grafiker Kambiz Shafei organisiert Büttner am Samstag, 27. Januar, in der Bar «Rank» in Basel ein sogenanntes Skizzen-Fest.

Die vier teilen die Faszination für das Skizzenhafte, Flüchtige und für das Basler Nachtleben. Letzteres möchten sie mit ihrem Anlass bereichern. Mit «Skizzen» meinen sie dieses Mal
literarische Skizzen.

Literarische Texte zum Thema «Falsch gesehen, falsch gesagt», die eine gewisse Flüchtigkeit, Schnelligkeit an den Tag legen, werden zwischen 19 und 22 von der ominösen Nummer auf Mobiltelefone geschickt werden.

Alle, die den Mut haben, sich bei der geheimnisvollen Nummer zu melden, werden in eine Whats-App-Gruppe aufgenommen und können die Texte auf ihrem eigenen Mobiltelefon lesen. Das geht auch zu Hause, aber vorzugsweise am runden Tisch in der Bar «Rank».

23 Texte à 1000 Zeichen

Bereits wenn das Publikum um 19 Uhr in der Bar ankommen wird, wird vieles ähnlich sein wie in einer herkömmlichen Samstagnacht. DJ Papiro wird sphärische, eher warme Musik spielen, überall werden Gruppen von Leuten sitzen. Aber einiges wird auch ganz anders sein. Beim Eingang wird man gebeten werden, das Telefon auf laut zu schalten, damit hörbar wird, wenn eine Textnachricht ankommt.

Kulturpessimistisches Jammern, das Starren ins eigene Handy verhindere Gespräche, würde hier allerdings ins Leere laufen. Die Texte, die verschickt werden, schliessen nicht aus, sondern sollen anregen, im besten Fall zum Gespräch.

Die 23 Schreibenden haben je 1000 Zeichen eingereicht, die nun bei Suppe und Sound in dezenten Abständen von den Kurz-Text-DJs an die Whats-App-Gruppe verschickt werden. Im dunklen Raum werden auf den kleinen Displays die Texte hell aufleuchten. Wer will, kann kommentieren, im virtuellen oder analogen Raum, am runden Tisch oder im Chat, den auch Leute verfolgen können, denen der Weg ins «Rank» zu weit sein wird.

Ist es eine Performance? Alain Gloor sagt dazu: «Ich würde es eher als ein Happening bezeichnen. Oder weniger aufgeladen: ein Fest. Alle, die von 19 bis 22 Uhr in diesem Raum sind, sind Teil davon.»

Skizzen-Fest: Ab 19 Uhr. Bar «Rank». Basel. Whats-App-Gruppe unter 077 485 27 87.