Teatro Mobile

Alte aber zeitlose Komödie

Recht und Unrecht: Anja Käsermann (links) Helena Kountoudakis.

Teatro Mobile

Recht und Unrecht: Anja Käsermann (links) Helena Kountoudakis.

Die im fünften Jahrhundert vor Christus geschriebene Komödie «Die Wolken» überzeugt mit einer Mischung aus Moral und Satire.

Nora Althaus

Wolken zogen am Himmel über Solothurn auf, als letzten Samstag das Teatro Mobile die Premiere ihres Freilichttheaters «Die Wolken» von Aristophanes beim Museum Blumenstein aufführte. Das nahende Unwetter liess die rund zwanzig Zuschauer die Wolldecken auspacken und trotzdem noch frieren - jedoch passte es zum Theater, als wäre es ein gut eingeplanter Specialeffect gewesen.

Im Übrigen wurde aber gegeizt mit solchen «effects». Nur als im Stück die sechs Wolken in Frauengestalten hoch oben auf der Mauer auftauchten, grollte aus einem Lautsprecher der Donner. Nicht dass es mehr gebraucht hätte. Die Zurückhaltung der Inszenierung und die einfach gestaltete «Bühne» auf dem Vorplatz des Museums unterstützte das kraftvolle Schauspiel der halb maskierten Akteure.

Da stört es auch nicht, dass im Stück einige längere Monologe eingebaut sind - zumal die Monologe vor allem von Strepsiades, der Titelfigur, gehalten werden, welcher von David Gnägi leidenschaftlich dargestellt wird.

Eine zeitlose Geschichte

Strepsiades war es denn auch, der durch das Stück leitete. Der dank seines Sohnes verschuldete Bauerntrampel klopft an die Tore der Denkerbude, wo Sokrates, gespielt von Karsten Kroesch, ihn die Kunst des ungerechten Redens lehren soll, damit er den Gläubigern ihre Zahlungsforderungen ausreden kann. Sokrates verspricht Strepsiades, er werde der beste Redner in der Gegend sein. Er lehrt ihn, dass die Wolken das einzig Göttliche seien und alles andere Schwindel.

Doch ab der Dummheit des Bauern verzweifelt der Gelehrte bald und schickt ihn weg. Die Wolken, welche Sokrates wie auch Strepsiades zur Seite stehen, raten, seinen Sohn zu den Weisen zu schicken, dass sie ihm das Reden lehren. Der von Alain Ammann dargestellte Sohn Pheidippides trifft auf Recht und Unrecht, gespielt von Helena Kountoudakis und Anja Käsermann, und wird von ihnen mit Argumenten bombardiert.

Er erliegt schliesslich dem sehr temperamentvoll von Anja Käsermann gespielten Unrecht und folgt diesem in die Denkerbude, wo ihn Sokrates das Reden lehrt. Als der Sohn zurückkehrt, verprügelt er seinen Vater. Er könne nun so gut reden, dass er ihn sogar davon überzeugen könne, dass es recht sei, wenn man seinen Vater schlägt.

Der Vater verflucht Sokrates, der ihn belogen hat, und gibt den Wolken die schuld, dass sein Sohn so verkommen ist und steckt die Denkerbude in Brand. Die Wolken weisen die Schuld jedoch von sich, er selbst habe sich schliesslich der Schurkerei zugewandt, habe aufgehört an die Götter zu glauben.

Wortwitz und Kraftausdrücke

Trotz der geschwollenen, altdeutschen Ausdrucksweise der Dargestellten, kann der Zuschauer immer folgen und lernt, dass auch Komödien, die 423 Jahre vor Christus geschrieben wurden, zeitgemäss sein können. Die Geschichte ist alt, aber zeitlos.

Der Spagat zwischen Damals und Heute, Satire und Moral ist gelungen, nicht zuletzt durch die Leistung der Akteure. Zwar wurde der Text noch nicht von allen ganz lupenrein gesprochen, trotzdem sind der Wortwitz und die pointierten Kraftausdrücke gut rübergekommen und haben das Publikum amüsiert.

Die Aufführungsdaten von «Die Wolken» beim Museum Blumenstein: Freitag, 26. Juni und Samstag, 27. Juni, jeweils um 20 Uhr. Sonntag, 28. Juni um 17.30 Uhr. Vorverkauf: Teppichhaus Ziegler, Kronengasse 8 oder 032 622 33 33.

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