Die Kleinplastiken aus Bronze, Gips und Ton stehen im grossen Gestell, wie wenn sie auf Eduard Spörri warten würden. Eine Frauenskulptur aus Knetmasse streckt die Hand aus. Sie gilt als letzte Arbeit des berühmten Wettinger Bildhauers, bevor er 1995 starb. Besonders gelungen ist die Atelieratmosphäre, die im 2008 eröffneten Museum Eduard Spörri geschaffen wurde. Die «kreative Unordnung» bringt viel Leben in die musealen Räume des schlichten einstöckigen Querbaus, der auf dem Grundstück gebaut wurde, wo einst Spörris Atelier und Wohnhaus stand. Beim Betrachten der Werke und Arbeitsutensilien entsteht oft das Gefühl, der Künstler habe den Raum nur kurz verlassen und komme gleich wieder zurück.

Eduard Spörri gehörte zu den prägenden Künstlern der Schweiz und schuf zahlreiche Plastiken für den öffentlichen Raum. Seine grossen Vorbilder waren Rodin, Renoir und Maillol. Der Stern des Wettingers strahlte weit über die Schweiz hinaus. 1936 stellte er an der Biennale in Venedig aus. 1967 kaufte das Musée de l’Art Moderne in Paris ein Werk für seine Sammlung an. Zeitlebens fühlte sich der Bildhauer der figurativen Kunst verpflichtet. Und blieb seinem klassischen Stil auch treu, als in der Kunstwelt die Tendenz immer mehr in Richtung Abstraktion ging. Die Jubiläumsausstellung steht deshalb unter dem Motto «Figuration».

Dank der Eduard-Spörri-Stiftung, die den Nachlass verwaltet, ist das Œuvre der Öffentlichkeit bis heute zugänglich. Aber sicherlich wäre es bei einem Grossteil der jüngeren Generationen in Vergessenheit geraten, wenn Kurator Ruedi Velhagen 2010 nicht die Serie «Eduard Spörri trifft …» ins Leben gerufen hätte. Seither setzen sich zeitgenössische Kunstschaffende mit dem Werk Spörris auseinander und korrespondieren darauf mit eigenen Exponaten.

Junge arbeiten in des Meisters Werk

Die Erste war vor acht Jahren Victorine Müller: Sie machte inmitten der Porträtbüsten des Meisters im Eingangsbereich und ganz in Plastikfolie gehüllt die Performance «Transformation». Das Publikum kam, sah und staunte. Seither widmeten sich Christoph Brünggel, Paul Takács, Dieter Hall, Lukas Salzmann, Ruth Maria Obrist, Nora Dreissigacker und Ursula Rutishauser Spörris Schaffen. Nun geben sich im Jubiläumsjahr nochmals alle Künstlerinnen und Künstler die Ehre und stellen gemeinsam aus. «Für mich ist der Brückenschlag zwischen den Generationen, wie er im Museum Eduard Spörri stattfindet, beispielhaft für zukünftige Kulturprojekte», meint Stiftungsratspräsidentin Antoinette Eckert.

In der oberen Etage sticht an der derzeitigen Jubiläumsausstellung Rutishausers Mobile «Schwarm» ins Auge. Filigrane Figürchen aus Chromnickelstahl klettern an Nylonfäden hoch, als ob sie auf der Flucht wären. Im Kellergeschoss präsentiert Takács Werke aus seiner Serie «Mit den Schuhen ins Bett», für die er mit Schuhcrème Laken bemalt hat. Auch hier steht die Flüchtlingsthematik im Vordergrund. Salzmann zeigt Miniaturmalereien in Postkartengrösse. Auf einem Exponat ist eine Plastik von Spörri zu sehen, die Skateboard fährt. Dreissigacker zeigt neorealistische Ölmalereien von Autostrassen in Europa, die sie mit Google Maps gesucht hat – daneben hängt Spörris tonnenschweres Bronzerelief, das er während eines Florenzaufenthalts als Hommage an die Bildhauer der Renaissance geschaffen hat. Les contraires se touchent.

Während viele Ausstellende der Serie «Eduard Spörri trifft …» den Bildhauer nicht mehr persönlich kannten, pflegte er enge Freundschaft mit anderen renommierten Schweizer Kreativen wie Gianfranco Bernasconi (1932), Kurt Hediger (1932), Erwin Rehmann (1921), Ruth Wälchli (1930), Marc Leroy (1906–1988) und Adolf Weber (1925–1996). Auch ihr Schaffen wird an der Jubiläumsausstellung mit Exponaten gewürdigt. Bernasconi, Hediger, Rehmann und Wälchli sowie Adolf Webers Sohn Claudius treffen sich am 24. Juni 2018, 14 Uhr, im Museum zu einem öffentlichen Künstlergespräch. «Es wird ein einmaliger und historischer Moment sein», ist sich Ruedi Velhagen schon jetzt gewiss.

«Figuration» im Museum Eduard Spörri, Bifangstrasse 17a in Wettingen, mit 16 Kunstschaffenden verschiedenster Generationen, bis 2. Dezember. Öffnungszeiten: Sa./So. 14 bis 17 Uhr. Infos – auch zu Spezialveranstaltungen: www.eduardspoerri.ch.