Alles mag bleiben, wie es ist

Das Familienfoto: Wer kennt die Namen, die Typen, die Figuren, wer nennt die Geschichten, in denen sie alle vorkommen? (Les Editions Albert René/ Goscinny-Uderzo)

Asterix

Das Familienfoto: Wer kennt die Namen, die Typen, die Figuren, wer nennt die Geschichten, in denen sie alle vorkommen? (Les Editions Albert René/ Goscinny-Uderzo)

Was macht Asterix und seine Gallier so sympathisch? Die Gründe liegen tief in der gallischen Seele. Denn die Gallierwelt ist der verlockende Gegenentwurf zum dauernden Zwang zum Wandel.

Christoph Bopp

Alle reden von Asterix und Obelix, Miraculix, Majestix, von Gutemine, Falbala und Jellowsubmarine, auch von Troubadix, dem begabten Barden, ist dauernd die Rede - nur einer wird notorisch geschnitten. Aber ohne ihn gäbe es keine Asterix-Comics: Jul. Caesar.

Dabei ist augenfällig, dass die ganze Serie als Gegenpropaganda zu Caesars berühmten «Commentarii» zum gallischen Krieg angelegt sind. Nicht nur das Jahr, in dem alle beginnen: «Wir befinden uns im Jahr 50 v. Chr. . . .»; auch der erste Satz: «Ganz Gallien . . .» sind unübersehbare Hinweise. Caesar beginnt mit einer Auslegeordnung dessen, was er erobern will («Ganz Gallien ist in drei Teile geteilt»): der Comic weist das anvisierte Ziel empört zurück: «Ganz Gallien?»

Das Unbeugsame Dorf hat Caesars Machtambitionen bisher erfolgreich - und wie zu vermuten ist - bis in die weitere Zukunft Widerstand geleistet. Und damit wird im Publikum ein Reflex bedient, der zu den zugänglichsten überhaupt gehört. Derjenige bleiben, den man ist und war, allen Zeitläuften zum Trotz - ein attraktiveres Angebot gibt es wohl nicht.

Nennt es Charme, Kult Appeal oder wie auch immer: Was wir mögen an Asterix, ist etwas Archaisches, zu dem nicht jeder moderne Mensch offen stehen kann oder will: die Sehnsucht nach Stabilität. Dazu gehört eine fast fanatische Traditionsverhaftetheit; kein Zufall auch, dass Asterix und Co. von Geldwirtschaft und Kapitalismus absolut nichts verstehen (wollen).

Die Rückkehr, zu dem, was immer war, ist Ziel aller Abenteuer. Wenigstens in jenen Bänden der Serie, die Konsistenz ausstrahlen. Ob das mit dem Mitwirken von René Goscinny zusammenhängt (der Texter starb 1977, der letzte posthum erschienene gemeinsame Band ist «Asterix bei den Belgiern»), soll hier nicht diskutiert werden. Bevor jeweils die Party steigen kann, muss die Eigenständigkeit, die Tradition und der seit Jahrhunderten gepflegte Lebensstil des Dorfes gegen Caesars Machtwahn verteidigt werden.

Der Comic-Caesar verfolgt dabei drei Strategien in immer neuen Variationen: Man kann das Dorf schwächen, indem die bestimmenden Figuren (Miraculix oder Obelix) ausschaltet, indem man innere Zwietracht sät oder indem man die gallische Lebensart durch Luxus und andere römische Sitten unterwandert.

Die Eigenständigkeit ist es – und damit wären wir wieder bei den Belgiern –, die auch Caesar als grösste Quelle der Renitenz fürchtet. Die Belgier seien die Stärksten/Tapfersten («fortissimi»), schreibt er in den «Commentarii», weil sie am weitesten von Zivilisation und Kulur («cultus atque humanitas») der römischen Kultur entfernt seien und am wenigsten mit deren verweichlichenden (Caesar benutzt ein anderes Wort) Produkten in Kontakt gekommen seien.

Dass Caesar andere Volksgruppen den Galliern vorzieht, will Majestix nicht akzeptieren. Das muss ausgetragen werden mit Caesar als Schiedsrichter. Fairness ist bei den «wilden Völkern» natürlich angesagt. Majestix sagt vor der Aktion gegen die Römerlager zum belgischen Kollegen: «Wir haben da so einen Zaubertrank. Falls ihr auch was wollt?» Der Belgier sagt: «Wir benötichen euer Gesöff nicht. Unser Bier reicht völlich.» Dazu wäre nur anzumerken: Kein Kommentar!

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