Alexander Pereira

Alexander Pereira will die Mailänder zu emotionalem Geiz erziehen

Alexander Pereira ist ab Oktober Direktor der Mailänder Scala.r

Alexander Pereira ist ab Oktober Direktor der Mailänder Scala.r

Der ehemalige Zürcher Opernchef Alexander Pereira hat Angst, dass seine Stars wegen des kritischen Mailänder Publikums nicht mehr an der Scala singen. Das ist lächerlich.

Die Mailänder Scala ein Hort der Verrückten? Ein Ort, wo allabendlich aus der Galerie die Tomaten fliegen? Einmal mehr erhält man diesen Eindruck, wenn man Alexander Pereiras Interview liest, das er dem «Corriere della Sera» gab. «Ich verfüge über die besten Sänger. Viele wollen jedoch nicht an der Scala auftreten, weil sie verschüchtert, ich würde sagen gar terrorisiert sind.» Teilweise hat Pereira, der ab 1. Oktober 2014 an der Scala Intendant wird, recht. Als Piotr Beczala am 7. Dezember 2013 (zu Recht) aus dem Loggione einige Buhs bekam, trompetete er am Folgetag beleidigt: «Ich singe nie mehr an der Scala.»

Falsch ist, wie Pereira zu glauben, dass das Scala-Publikum heute gefährlicher sei als früher. Dieses Publikum gleicht seit je einem Vulkan. Brodelt er heute, weiss es gleich die Welt – und staunt. Kein Wunder: Wer zum emotionalen Geiz erzogen wird, ist fasziniert vom überschäumenden Jubel und dem geifernden Protest.

Pereira will nun mit den Loggionisti zusammenarbeiten. Gianni, Giacomo, Elbo, Neumi und Elena werden sich freuen, wenn er ihnen vor den Vorstellungen im «Freetime» Apéros spendiert . . . Es wird nichts nützen. Entgegen der Meinung vieler Sänger (Edita Gruberova durfte in der «SonntagsZeitung» von bezahlten Scala-Claqueren erzählen, dabei sang sie ewig keine Opern an der Scala) sind 98 Prozent der Loggionisti heute unbestechlich. Grosse Namen sind für sie Schall und Rauch, es zählt nur die Leistung. Das macht es für Pereira gefährlich, da er auf grosse Namen baut.

Auf die Frage, ob die Loggionisti die Künstler nicht auch zu Höchstleistungen anstacheln, gab der einstige Scala-Chef Riccardo Muti mir recht und sagte: «Mein Triumph mit La Traviata, Rigoletto oder Il Trovatore war auch ein Triumph über den Stehplatz: Die Künstler waren glücklich, weil sie gewonnen hatten.» Nun denn: Auf in den Kampf, Pereira!

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