Kunst

Aktuelle Blicke des Impressionismus

Claude Monets «Eisschollen im Dämmerlicht» von 1893 zählt zu den Meisterwerken im Museum Langmatt.

Claude Monets «Eisschollen im Dämmerlicht» von 1893 zählt zu den Meisterwerken im Museum Langmatt.

Das Museum Langmatt in Baden zeigt seine Bestände im Dialog mit zeitgenössischer Kunst.

Nicht jede Erneuerung, die das Museum Langmatt jüngst erlebte, ist fürs Publikum einsehbar. Das Sichern der Depots, das Aktualisieren des Inventars, das Ringen um den langfristig garantierten Zugang zu Villa und Park beanspruchen keine direkte Sichtbarkeit. Und auch da, wo sich der grossbürgerliche Wohnsitz zum zeitgenössischen Kunstbetrieb hin öffnet, geschieht das ohne hohen Wellengang.

Sanfte Änderungen im alten Haus

Mit der gebotenen Sorgfalt, unter Berücksichtigung des historischen Originalzustands und unter Einbezug von Techniken, die man für verloren hielt, hat eine Firma aus dem ehemaligen Osten Deutschlands eine neue, textile Wandbespannung entwickelt. Warmes Grau hinterfängt nun die Bilder im weiten Erdgeschossraum. Spurlos wird das Gewebe Neuhängungen hinnehmen, und es verspricht, den Raum auch akustisch markant zu verbessern.

Bewegung und Licht

Ab Samstag dient der neue Hintergrund einer dialogischen Auslegeordnung: Werke aus der Sammlung treffen im erstmals unmöblierten Salon auf solche internationaler und Schweizer Gegenwartskunst. Zwölf Gastspiele legen lose Verwandtschaften zwischen damaligen und heutigen Bildrecherchen offen. Der Ausstellung geht die Beobachtung voraus, dass zahlreiche Künstlerinnen und Künstler heute mit jener Vermutung beschäftigt sind, welche die französischen Impressionisten das Schauen lehrte und die Malerei neu erfinden liess: dass uns nicht die Materie, sondern das bewegliche Licht die Dinge und die Natur sehen lässt.

Bei Claude Monet etwa umschmeichelt die Farbe Eisschollen nicht anders als Seerosen im Teich. Und während die Unschärfe vor 140 Jahren heftige Kritik auf den Plan rief, insistiert die heutige Kunst selbstverständlich auf Oberflächen, die das Flüchtige im Fokus behalten.

Dialoge vor bürgerlicher Kulisse

Direktor Markus Stegmann setzte bei den Leihgaben bewusst auf zweidimensionale Werke. In den Raum greifen einzig die aus Acryl und Plastikfolie geformten Figuren von Anna Amadio und die Wandarbeit, die das Treppenhaus mit einem lichten Wirbel auszeichnet. Julia Steiner gelingt hier ein Brückenschlag zu den um 1895/96 datierten «Badenden» von Paul Cézanne. Seine modernen Nymphen wirken nun wie ein Publikum, das sich zum Schauspiel bewegter Luft auf der Leinwand zusammendrängt.

Solch beispielhafte Kombinationen schärfen in der Langmatt den Blick in beide Richtungen: Das rosa Kleid einer Dame, die Pierre-Auguste Rodin 1879 im Halbschatten aus dem moosigen Boden aufstreben liess, wird in der Nachbarschaft zu Robert Zandvliets Aquarellen zur kristallinen Säule. Und wenn Alain Huck 2010 ein Waldstück als Halluzination in Licht und Nebel nachzeichnet, lässt sein Kohlestift Camille Pissarros flirrendes Laub neu aufleuchten. Die Begegnung von Alt und Neu legt es spürbar auf eine Öffnung an. Ohne das intakte Zusammenspiel von Wohnhaus und Sammlung zu verletzen, weist «Langmatt Licht Libellen» die Aktualität historischer Malerei nach – und bittet auch Neugierige ins Haus, denen die Villa im Park gänzlich fernläge.

Draussen steht im Schatten des alten Baumbestands ein schwarzer Jaguar Kombi. Das Nummernschild ist entfernt, die Tür seitens Fahrer nicht richtig verschlossen: Reto Boller simuliert in der Reihe «Kunst im Kombi» einen Tatort, untergräbt die Idylle und ruft in Erinnerung, dass das Schauen nicht nur Farbe, sondern auch Geschichten in Bewegung hält.

Baden, Museum Langmatt. Eröffnung: 24. September, 17 Uhr.

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