Menschenrechte

Ai-Weiwei-Ausstellung in Berlin geplant

Der chinesische Künstler Ai Weiwei im Mai 2013 (Archiv)

Der chinesische Künstler Ai Weiwei im Mai 2013 (Archiv)

In Berlin ist die weltweit bisher grösste Ai-Weiwei-Ausstellung geplant. Freunde des chinesischen Künstlers appellieren an Merkel, sich für seine Ausreise stark zu machen.

Seit der chinesische Künstler Ai Weiwei 2011 für fast drei Monate an einen unbekannten Ort verschleppt wurde, herrscht international Sorge um den prominenten Regimekritiker. Mit einer neuen Initiative wollen Freunde in Deutschland nun endlich eine Ausreisegenehmigung für ihn erreichen.

Der heute 57-Jährige soll am 3. April an der weltweit bisher grössten Ausstellung seiner Werke im Martin-Gropius-Bau in Berlin teilnehmen können. Es wäre auf den Tag genau drei Jahre nach seiner spektakulären Verhaftung.

Klaus Staeck, der Präsident der Berliner Akademie der Künste, appellierte am Mittwoch an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), sich bei den Gesprächen mit der chinesischen Regierung Ende März nachdrücklich für das Anliegen einzusetzen. "Wir erwarten, dass unsere Regierung hier nicht leisetreterisch auftritt, sondern das Thema ganz konkret zur Sprache bringt", sagte Staeck bei einer Pressekonferenz des Freundeskreises.

Ai Weiwei selbst berichtete in einer Videobotschaft, er habe erneut bei den Behörden in Peking die Rückgabe seines Reisepasses beantragt. "Falls sie ihn mir nicht geben, möchte ich zumindest einen klaren Grund dafür genannt bekommen", forderte der sonst eher ruhige Mann angespannt.

Undurchsichtiges Verfahren

"Die ganze Geschichte verfolgt ihn schon sehr persönlich", sagt der Berliner Galerist Alexander Ochs, der zusammen mit dem Kunstexperten und Rechtsanwalt Peter Raue Ende Februar für drei Tage bei Ai Weiwei in Peking zu Besuch war.

Raue hat dort eigenen Angaben zufolge sämtliche Unterlagen, Schriftsätze und Dokumente eingesehen. "Es gibt kein einziges Verfahren und keinen einzigen Vorwurf gegen Ai Weiwei. Es gibt aber auch keine staatliche Erklärung, warum ihm der Reisepass nicht ausgehändigt wird", betonte Raue.

So sei zwar über die von seiner Frau mitgegründete Firma Fake eine Steuerstrafe von umgerechnet 1,8 Millionen Euro verhängt worden. Ai Weiwei sei an dem Unternehmen aber nie beteiligt gewesen. Den dennoch von ihm hinterlegten Sicherungsbetrag von 900'000 Euro hätten die Behörden nie abgerufen.

"Für dieses Verhalten gibt es nur die Erklärung, dass die chinesischen Steuerbehörden das Verfahren offenhalten und als Druckmittel benutzen - warum auch immer", so Raue. Sein Bericht soll auch der Bundesregierung zugeleitet werden.

Es wird eine politische Schau

Die Vorbereitungen zur Ausstellung im Gropius-Bau laufen derweil auf Hochtouren. Ai Weiwei hat etwa die Hälfte der Werke eigens für die 20 Ausstellungsräume und den grossen Lichthof geschaffen, die anderen Arbeiten waren noch nie in Deutschland zu sehen.

"Er hat uns schon in der ersten Runde gefragt, ob es politisch werden soll, und ich habe gesagt: 'Ja, bitte'", sagte Museumsdirektor Gereon Sievernich, der ebenfalls schon beim Künstler zu Besuch war.

Der Künstler, Sohn eines berühmten Dichters, war den Behörden schon seit 2005 mit seinem regimekritischen Blog ein Dorn im Auge. Endgültig in Ungnade fiel er, als er nach dem Erdbeben von Chengdu 2008 und dem Tod von mehr als 5000 Kindern die Behörden für Schlamperei an Schulgebäuden verantwortlich machte. Der Pass wurde ihm bei seiner Festnahme 2011 abgenommen.

Er darf zwar weiter in seinem Atelier am Pekinger Stadtrand arbeiten und seine Werke im Ausland zeigen, nicht jedoch in seinem Heimatland.

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