Zackig war der Auftakt ins Jahreskonzert der Jugendmusik Bezirk Affoltern (Jumba) am vergangenen Samstagabend in der gut gefüllten Mehrzweckhalle Zendenfrei in Obfelden: Die Tambouren empfingen mit «s'Chinderfäscht» - wie fast alles, das die Perkussionsabteilung an diesem Abend bot, eine Eigenkomposition von Dirigent Werner Eigenmann.

Anspruchsvolle Rhythmen

Im Aspirantenspiel sammeln die Jumbaner nach einigen Jahren Einzelunterricht erste Erfahrungen in einem Orchester. «Einige Register sind etwas dünn besetzt», so Dirigent Daniel Raschle, «wir versuchen ohne Aushilfe auszukommen.» Stolz erhoben sich die Mädchen und Knaben, als ihr Dirigent sie registerweise vorstellte. Mit «Pirates of the Carribbean» wagte sich das Aspirantenspiel gleich zu Beginn an ein rhythmisch anspruchsvolles Stück. Den einen oder anderen Misston darf man den jungen Musikern deshalb sicher verzeihen.

Weiter ging es galaktisch mit der Star-Treck-Hymne «The Inner Light». Bei «Don't feed the Drummer» hatten die Schlagzeuger wieder viel zu tun. Die Jungmusiker überzeugten mit exakten Dynamikwechseln und ernteten verdientermassen viel Applaus. Mit «El Niño» kam dann erst recht Stimmung auf und das Publikum klatschte rhythmisch mit. Daniel Raschle sah da wohl noch Verbesserungspotenzial, weshalb er die Zuhörer bei einer Zugabe nachexerzieren liess.

Virtuelle Pendler-Rückreise von Zürich nach Obfelden

Nach dem kurzen Auftakt der Tambouren stand nun der grössere Auftritt der Perkussionisten auf dem Programm.

Im Schlagzeugensemble hatten ihr erstes Gastspiel überhaupt auf der Bühne. Hinter den grossen Schlagzeugen konnte man sie kaum sehen. «Sie sind etwas nervös», verriet Dirigent Michael Stöckli. Nichtsdestotrotz haben sie ihre Aufgabe sehr gut gemacht.

Aufmerksam verfolgten derweil die Mitglieder des Blasorchesters die Performance ihrer Vereinsmitglieder und fieberten dem eigenen Auftritt entgegen. Sie mussten sich allerdings noch etwas gedulden, den zuvor kam noch die Drummer Factory - und wie: Nach dem «Bonstetter» luden sie zu einer virtuellen Pendler-Rückreise von Zürich nach Obfelden. Fast meinte man den Zug herauszuhören, der langsam anfährt, beschleunigt, um dann immer schneller über die Bahnschwellen zu rattern.

«Dafür müssen sie nicht ins KKL», kündete Drummer-Dirigent Werner Eigenmann das folgende Stück an: die Ouvertüre 1812 von Tschaikowski, arrangiert für Xylofon und Perkussion. Hochkonzentriert blicken die Jungmusiker in die Noten, während die Sticks nur so wirbelten. Dass Konventionen auch da sind, um gebrochen zu werden, bewies Eigenmann mit einem Abstecher in den Bereich urchiger Ländler sowie einem groovigen Flötensolo - wobei er das Instrument teils durch die Nase spielte.

«Music with Love»

Unter einem Blitzlichtgewitter nahmen nach der Pause die Musiker vom Blasorchester unter der Leitung von Yukio Yamada die Bühne in Beschlag. Die Fanfare «Fortune» eröffnete stimmungsvoll den zweiten Konzertteil mit der grössten Jumba-Formation. Die Reise durch Raum und Zeit zeigte unter anderem die Jungfernfahrt der prächtigen und vermeintlich unsinkbaren Titanic, Heiterkeit und Sonnenschein in Afrika, sowie Rock'n'Roll und Flower-Power. «Music with Love» stand beim Zendenfrei-Eingang in grossen Lettern geschrieben. Diesem Motto wurde das Blasorchester mit seiner ersten Zugabe gerecht: «All you need is Love» von John Lennon - dem berühmtesten Liebeslied, das je geschrieben wurde. Erst nach zwei weiteren Zugaben entliess das Obfelder Publikum die überzeugenden Jungmusiker in den verdienten Feierabend.