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Adieu Landiwiese, hoi Züriquartier: In Zürich startet nächste Woche das Theater Spektakel

Das Virus spielerisch thematisiert: Theater Spektakel Zürich.

Das Virus spielerisch thematisiert: Theater Spektakel Zürich.

Das Theater Spektakel beschreibt ungewöhnliche Wege, um trotz Corona Kunst anzubieten.

Der Weg zum Theater Spektakel führt nicht zur Landiwiese. «Kann sein, dass dort in diesem Jahr mehr Bade- als Festival­gäste anzutreffen sind», prophezeit der technische Leiter des Festivals Veit Kälin am Montag auf einer Medienkonferenz. Das Festival findet statt, aber die Kunst hat sich Rückzugsorte gesucht. Und ist jetzt: am Telefon, auf dem Schiff, im Radio, in Webinaren und Onlinedialogen, in einem Fernsehstudio, am Strand. Oder auf einem Wagen, der einfach weiterfährt, wenn sich zu viele Menschen vor William Forsythes «City of Abstract 2020» versammeln.

Das Team um Leiter Matthias von Hartz hat Fantasie be­wiesen, um das Zürcher ­Freiluftfestival, das üblicher­weise als Volksfest und mit viel Essen, Trinken und Strassentheater in dichtem Gedränge über die Wiese am See zieht, als coronaauflagenkonforme Variante anzubieten. Mit Ver­anstaltungen in der ganzen Stadt und in vielen Quartieren. Mit einer Livetelefonper­formance, einem Radioballett von 13 internationalen Cho­reografen. Mit Radio-Sessions auf Picknickdecken. Mit ­Abstand, in seltenen Fällen auch mit Maskenpflicht.

Das kann eine Lösung sein, weil das Theater Spektakel immer die globale Kunstwelt nach Zürich geholt und die Pandemie einmal mehr ­gezeigt hat, dass wir zwar unter demselben Himmel leben, wie die indische Künstlerin Shilpa Gupta mit Leuchtschrift ins Dunkel schreiben wird. Dass aber die Probleme und das Geld sehr ungleich verteilt sind auf dem Planeten.

Seuchenausbruch als Kunstinstallation

Alles hängt zusammen, wie verschiedene Künstlerprojekte ­zeigen. Etwa wenn die schweizerische Truppe Ké Sarà zum Auftakt eines Langzeitprojektes an Orten der italienischen Arbeitsmigranten der «Tradition» der Fremdenfeindlichkeit in der Schweiz folgt. Oder wenn Dorine Mokha und Elia Rediger in einer Musiktheater-Video­installation das kongo-helve­tische Minengeschäft untersuchen. Wenn Lagartijas Tiradas al Sol aus Mexiko und Isabelle Stoffel aus Zürich sich auf die Suche nach den Veränderungen in der Landschaft machen. Das Ergebnis: Eine Datei, die man sich herunterlädt und anhört, und zwar auf einer Schifffahrt.

Viele Veranstaltungen mussten verändert werden. Aber eine war genauso geplant, verrückterweise. In «VIRUS» simuliert der schweizerisch-niederländische Künstler Yan Duyendak den Ausbruch einer Seuche. Dafür hat er Trainingsdaten für WHO-Fachleute in Westafrika künstlerisch auf Europa übertragen. Jetzt dürfen die Zuschauer selbst entscheiden, ob ein Lockdown kommt oder Maskenpflicht verhängt wird. Man wird sehen, ob sie es besser können als die Politiker.

13.-30.8.: 41. Theaterspektakel, Landiwiese und überall in Zürich. Tickets über www.theaterspektakel.ch

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