Solothurn

Abtauchen in die Bücherwelt

Lesespass: Diese Kinderschar ist sichtlich vom «Lesebazillus» infisziert. (Bild: Maddalena Tomazzoli Huber)

Lesen

Lesespass: Diese Kinderschar ist sichtlich vom «Lesebazillus» infisziert. (Bild: Maddalena Tomazzoli Huber)

Die Fünft- und Sechstklässler der Schulhäuser Vorstadt und Fegetz dürfen in den nächsten vier Wochen während des Schulunterrichts nach Lust und Laune dem Lesen frönen. Das Schweizerische Institut für Kinder- und Jugendmedien (SIKJM) hat gestern das bewährte Leseförderungsprojekt «Lesebazillus» nach Solothurn gebracht.

KATHARINA ARNI-HOWALD

Rund 40 Romane, Krimis, Sachbücher und Comics unterschiedlichster Schwierigkeitsgrade infizieren jährlich zahlreiche Schweizer Mittelstufenkinder mit dem Lesefieber. Die ausgewählten Neuerscheinungen werden jeweils im Mai in prall gefüllten Rucksäcken auf die Reise geschickt und sollen die Schülerinnen und Schüler zum Lesen animieren.

Sie erhalten während der sogenannten «Bazilluswochen» Zeit und Gelegenheit, während des Unterrichts zu lesen und dürfen die Bücher auch mit nach Hause nehmen. Die Lehrperson bestimmen, ohne die Kinder davon in Kenntnis zu setzen, zwei Bücher als Bazillusträger. Bei Beendung des Projektes wird das Geheimnis gelüftet, und die zwei Kinder, die als erste die Bazillusträger gelesen haben, bringen die Rucksäcke auf Kosten des SIKJM in eine nächste Schulklasse.

Landammann ermuntert zum Lesen

Jeder Rucksack erhält eine Logbuch, in dem im Stil eines Lesetagebuches alle Leseerlebnisse festgehalten werden. Ergänzend zum Logbuch gibt es einen «Lesebazillus»-Blog. Dieser gibt den Schülern die Möglichkeit, ihre Gedanken zu den gelesenen Büchern über das Internet zu äussern und allen zugänglich zu machen. «Im Gegensatz zu einem Krankheitserreger ist es erwünscht, dass sich dieser Bazillus verbreitet», ermunterte Landammann Klaus Fischer an der Rucksackübergabe in der Zentralbibliothek die beiden Schulklassen zum Lesen. Aus eigener Erfahrung wisse er, dass man bei der Auseinandersetzung mit Büchern lerne, sich selber einzuschätzen und zu sich selber zu finden. «Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt», zitierte er ein arabisches Sprichwort.

Viele leben ohne Lesen

«Alle lernen in der Schule Lesen und Schreiben und trotzdem geht bei 20 Prozent der Erwachsenen die Lesefähigkeit bereits nach dem 20. Lebensjahr verloren», zitierte der administrative Direktor der Bibliothek, Peter Probst, erschreckende Zahlen. «Diese Menschen mogeln sich oft völlig unbemerkt durchs Leben.» Dem will nebst dem SIKJM auch der Schulleiter des Vorstadt-Schulhauses, Stefan Liechti, vorzeitig Gegensteuer geben. Er freut sich auf das Projekt, nachdem «nun auch der Prüfungsdruck weg ist», überzeugt davon, dass die Schulleistungen bei Kindern, die viel und gerne lesen besser sind als bei anderen. Dies sei auch der Grund, weshalb das Lesen im Vorstadt-Schulhaus immer ein wichtiges Thema sei. Wie viel Spass Lesen machen kann führte der Schriftsteller Urs Widmer vor. Er hat die wundervollen Geschichten aus Tausendundeine Nacht in einem bemerkenswerten Buch gerafft und fesselte die anwesenden Schülerinnen und Schüler mit einer überaus lebendigen Lesung. Den Lesebazillus liess dann schliesslich die Leiterin des Projektes, Francesca Micelli, auf die künftigen Leseraten überspringen. Die Kinder stürzten sich förmlich auf die Bücher und konnten es kaum erwarten, «viel Zeit zu haben», um in eine Welt einzutauchen, aus der man oft nur mit Mühe wieder herauskommt.

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