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Aargauer sind Zürichs Partykönige

Mykonos-Party

Mykonos-Party

Früher knatterten sie mit frisierten Töffli durch Windisch, heute buhlen die Direktoren von Luxushotels um ihre Mykonos-Party: Die Griechen Seigi und Stelios Sterkoudis haben das Feiern im Blut und zelebrieben im Zürcher «Lakeside».

Erik Schwickardi

«Ruft uns nicht mehr an, es ist zwecklos! Seit einer Woche ist die Party restlos ausverkauft - innert 24 Minuten waren alle Tickets weg. Auch die hübscheste Blondine hat keine Chance - wir sind beide in festen Händen», sagt Seigi Sterkoudis (39) grinsend. Die 1200 Party-Tickets für die glamouröse Mykonos-Party im «Lakeside» sind begehrt wie Konzertbillette für Madonna oder U2. Eintritte, die 60 Franken kosten, gehen bei Ebay schon mal für 180 Franken weg. «Wir könnten locker doppelt so viele Tickets verkaufen, aber wir versuchen die Party familiär zu halten», erklärt Stelios Sterkoudis (46).

«Jeder Mensch liebt das Glamouröse - bei uns ist jeder ein VIP», erklärt Bruder Seigi. Die umtriebigen Griechen zelebrieren ihre Mykonos-Party mit Liebe zum Detail: Für einen Teil der Gäste gibt es ein griechisches Dinner in gediegener Atmosphäre. «Ohne Sponsoren wäre das alles nicht möglich.» Wie bei Fussball- und Eishockeyspielen erhalten Partner wie Audi oder Kent Tickets und laden Geschäftsfreunde, Kunden und VIPs an die Mykonos-Party.

Stelios kam auf dem Esel

«Im Juni 2002 heiratete ich auf Mykonos meine Frau Natascha und meine Tochter Stella wurde getauft», erklärt Stelios Sterkoudis. Auf der Insel fand ein grosses Fest mit Freunden aus der Schweiz statt: «Es war eine traditionelle griechische Hochzeit, ich ritt auf dem Esel an, Natascha kam im Fischerboot», sagt Stelios. «Die Gäste waren sehr gerührt und schwärmen noch heute.»

In der Schweiz wollten alle den Hochzeitsfilm sehen: Im «Kaufleuten» gabs ein Essen für 370 Personen mit DVD-Show. «Heiraten konnten wir nicht nochmals, feiern aber schon - so entstand die Mykonos-Party», sagt Stelios. Im «Kaufleuten» gabs ein Essen für 140 Personen, Jahr für Jahr wurden es mehr. «Wir hätten nie gedacht, dass die Party einmal solche Dimensionen annimmt», sagt Seigi. Es wurde Zürichs Party-Highlight des Jahres, gefeiert wird im In-Lokal «Lakeside». Sogar aus dem Ausland reisen Fans an.

Warum wird in Weiss gefestet? «Weiss macht die Menschen friedlicher und frischer», meint Seigi: «Es ist toll, wie sich die Leute freuen und sich für die Mykonos-Party stylen.» Das mediterrane Flair Griechenlands gefällt den Party-People. Auch Starfussballer, Eishockeyspieler und Ex-Missen sind Fans der Mykonos-Party. «Bei uns sind alle gleich - auch Promis müssen für ihre Tickets bezahlen», stellt Stelios Sterkoudis klar. «60 Prozent der Gäste kennen wir persönlich.»

Der Begriff ist geschützt

Die Mykonos-Party ist so begehrt und kultig, dass viele Bars und Klubs als Trittbrettfahrer auf der Erfolgswelle mitreiten wollen. «Eigentlich ja eine Ehre für uns. Aber die sollen ihre Fantasie selber mal etwas walten lassen», sagen Seigi und Stelios. «Du kannst deinen Hund ‹Mykonos› taufen, nicht aber eine Party. Den Begriff ‹Mykonos Party› haben wir schützen lassen.

Wir sind das Original!» Die Party ist schweizweit zu einem Brand geworden: Immer wieder erhalten die Sterkoudis-Brüder Anfragen vom Locations und 5-Stern-Hotels, die den Anlass gern bei sich hätten. Seit drei Jahren sticht auf dem Thunersee jeweils im September die MS «Berner Oberland» in See - 800 Gäste feiern die Mykonos-Party an Deck. Exklusiv in der AZ lassen die Sterkoudis-Brüder eine Bombe platzen: «2011 ist nach zehn Jahren Schluss. Man muss aufhören, wenn es am schönsten ist.»

Feiern wollen die beiden Griechen aber weiterhin. Szene-Gastronom Seigi Sterkoudis, der bei Fein-Kaller in Baden eine Lehre als Kleiderverkäufer machte, verspricht: «Ich mache Party bis zur AHV!» Allmonatlich lädt er im Zürcher «Kaufleuten» zur Disco-Party, in der Wintersaison führt er zusammen mit Freundin Miryam den «Pöschtli-Club» im renommierten Davoser Morosani Posthotel. Bruder Stelios wurde nach der Handelsschule
Fashion-Profi, lebt in Wettingen und vertreibt die trendigen Mode-Labels Leonardo sowie Scotch & Soda.

In Windisch, wo die beiden aufgewachsen sind, gaben die umtriebigen Griechen schon früh Gas, waren als Töfflischreck bekannt: «Stelios fuhr ein gelbes Pony Cross, ich ein blaues Ciao», erzählt Seigi. «Wir vergessen unsere Aargauer Wurzeln nicht - wir sind griechische Aargauer», bekräftigt Stelios Sterkoudis. «Die Zürcher haben längst gemerkt, dass Aargauer auch gute Partys machen.»

Sprüche über weisse Socken mögen sie nicht mehr hören: «An der Mykonos-Party sind weisse Socken sogar erwünscht.»

Mit dem Lamborghini vor den Eingang

Vater Christos Sterkoudis (73) ist begeistert von seinen Söhnen, trinkt mit den Eishockeystars Wodka bis in die frühen Morgenstunden: «Yamas! Essen, trinken, Spass haben - wie in Griechenland!» Am Samstag steigt die Mykonos-Party zum achten Mal: «Ohne unsere Familie, Freunde und rund 120 Helfer wäre die Party nie möglich - wir sind allen zu einem Riesendank verpflichtet», erklärt Stelios, während Seigi auf seinen Laptop schaut: «Da schreibt einer: ‹Ich habe einen weissen Lamborghini und eine Super-Frau in Weiss - hat es noch Tickets, kann ich vor dem Eingang parkieren?›»

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