Irena jurinak

Vor dem Starbucks, im Kasinopark oder am Mittagstisch im City Märt treffen Rita Schweizer und Laurent Sedano fast immer Jugendliche an. «Wir gehen dorthin, wo die Jugendlichen sind», sagt Sedano. Auch in der Altstadt oder rund um den Bahnhof sind die beiden Mitarbeiter der Mobilen Jugendarbeit Aarau (MJA) regelmässig unterwegs und suchen das Gespräch mit Teenagern.
«Wir drängen uns nicht auf. Im Gespräch merkt man schnell, ob die Lust da ist mit uns zu sprechen», sagt Schweizer. «Wir machen erstaunlich gute Erfahrungen mit den Jugendlichen», ergänzt Sedano. «Sie freuen sich, dass sich jemand für sie interessiert.»

Jugendliche als Shooting Stars
Dank aussergewöhnlichen Aktionen lernen Schweizer und Sedano die Jugendlichen besser kennen. Diesen Sommer waren sie mit der Fotografin Donata Ettlin an vier Tagen in Aarau unterwegs und suchten Jugendliche, die Lust hatten, an einem Fotoshooting teilzunehmen. 32 Jugendliche machten mit und sechs von ihnen sind nun in der Ausstellung «Zeig Dich!» im Stadtmuseum Schlössli zu sehen.

Jeweils drei junge Frauen und Männer schrieben zu ihren Fotos Texte über ihre Wünsche, ihre Ziele, ihre Werte oder ihre Ängste. Der 15-jährigen Anna Sozio machten sowohl das Fotoshooting als auch die Texte Spass. «Es sind Fragen, die man sich selber ab und zu stellt.» Wenn man aus der Schule komme, frage man sich, wohin man im Leben wolle. «Die Frage nach den Wünschen hängt damit eng zusammen.» Anna Sozio gefällt auch, dass die Fotos natürlich und nicht gestellt sind.

In der Ausstellung bleiben die Texte anonym und sind nicht den Fotos zugeordnet. Der Besucher weiss also nicht, welche Meinung zu welchem Gesicht gehört. Die Ausstellung will die Diskussion über Identität anregen und Jugendliche differenziert betrachten.
Jugendarbeiter öffnen Türen

«Der Container vor dem Schlössli eignet sich gut als Ausstellungsort, weil der Zutritt niederschwellig ist», erklärt Dominique Frey, Kuratorin im Stadtmuseum. «Er wird nicht als Museum wahrgenommen weil man nicht an einer Garderobe vorbei muss, um reinzuschauen.»

Niederschwellig erleben Rita Schweizer und Laurent Sedano auch die Mobile Jugendarbeit. «Manchmal stossen wir die Tür ein klein wenig auf und es kommt uns ein ganzer Schwall entgegen», sagt Schweizer. Die Jugendlichen beschäftige unter anderem, wo sie sich im Winter treffen können, aber auch Fragen rund um Ausbildung, Schule und Lehre sind für sie wichtig. Schweizer und Sedano sehen sich als erwachsene Kollegen der Jugendlichen. «Sie sollen wissen, dass sie mit uns über alles reden können.»