A-Team

90 Minuten Action, Adrenalin und Atemlosigkeit

Die trashige 80er-Serie «A-Team» jetzt im Kino

Die trashige 80er-Serie «A-Team» jetzt im Kino

Wer im Kino nur hohe Unterhaltung sucht, verpasst mitunter den ganz grossen Spass. Etwa die Verfilmung der trashigen Achtziger-Serie «The A-Team».

Stefan Strittmatter

Zum Einstieg ein Geständnis, das uns nur schwer von der Tastatur geht: Wir haben uns prächtig amüsiert bei «The A-Team». Dies zuzugeben, fällt schwer, weil die Verfilmung der gleichnamigen Action-Serie aus den Achtzigern zwar mit deutlich grösserem Budget gedreht wurde als die knapp einhundert TV-Folgen, aber nur unmerklich weniger billig anmutet. Es fällt schwer, weil wir aus dem Stand mit einer langen Liste mit Dramaturgie- und Script-Fehlern aufwarten könnten (und werden) und weil «The A-Team» im Grunde genau das ist, wofür wir Fans des hirnlosen Popcorn- und Action-Kinos immer etwas belächelt haben.

Grosser Spass

Doch all diese Vorbehalte ändern nichts daran, dass wir im Kinosaal grossen Spass hatten. Nicht mehr, aber ganz sicher auch nicht weniger. «The A-Team» ist in dieser Hinsicht vergleichbar mit einer Wasserrutsche oder Junkfood: Der Kopf sagt Nein, der Bauch schreit Ja. Und anschliessend ist man trotz flauem Gefühl im Magen sehr zufrieden.

Das Schöne an diesen 90 Minuten voller Action, Adrenalin und Atemlosigkeit ist, dass garantiert keine Fragen offenbleiben. Nicht weil im Film alles länglich erklärt wird, wie etwa in Christopher Nolans intellektuellem Blockbuster «Inception». Sondern weil «The A-Team» schlicht keine Fragen aufwirft. Er ist ein «No-Brainer», bei dem man getrost das Hirn an der Kinokasse abgeben darf. Quasi als erweiterte Auslegung der «suspension of disbelief».

Dieses vom englischen Poeten Samuel Taylor Coleridge (1772–1834) geprägte Konzept – zu Deutsch: «Die willentliche Aussetzung der Ungläubigkeit» – fordert, dass sich der Konsument von Fiktion vollumfänglich auf das Buch (hier: den Film) einlässt, selbst wenn einzelne Teile in krassem Widerspruch zu Logik und Realität stehen.

A-Team-Anführer Hannibal sagt: «There’s a plan in everything». Oder: Alles macht Sinn, wenn man daran glaubt.

Bloss: Wieso hat es so lange gedauert, bis ein Filmregisseur das Kinopotenzial dieser TV-Serie erkannt hat? Die von 1983 bis 1987 und seither als unverwüstliche Wiederholungen ausgestrahlte Serie vereint nämlich alle Zutaten eines gelungenen Action-Streifens: Als Erstes sind da vier wunderbar überzeichnete Charaktere – alle ausgestattet mit speziellen Fähigkeiten und nicht minder ausgeprägten Macken.

Zweitens hat der gemischte Vierer aus ehemaligen Söldnern einer Spezialeinheit jederzeit Zugang zur essenziellen Grundausstattung des Action-Kinos. Und drittens kann die verschworene Männergruppe nicht nur ballern und prügeln, sondern auch – sehr unterhaltsam – hochstapeln und handwerkeln.

24 Jahre nach Einstellung der Serie hat Regisseur Joe Carnahan («Smoking Aces» und auch sonst wenig, was man gesehen haben müsste) das Potenzial dieser Ausgangslage erkannt. Er hat die trashige Serie «The A-Team» nun zum Grossleinwand-Spektakel aufgeblasen, ohne dabei vom ursprünglichen Konzept abzuweichen.

Sekundäre Handlung

Die Handlung ist dabei so sekundär, dass es reicht, wenn man weiss, dass der Film die Blaupause des TV-Formats gleich zweimal anwendet: Das A-Team wird für einen brisanten Einsatz engagiert, sammelt die benötigten Materialien zusammen und löst das gestellte Problem auf dem kompliziertestmöglichen Weg, der Auftraggeber entpuppt sich als korrupt, das A-Team wird unschuldig angeklagt und gejagt. Das A-Team: Sammler und Gejagte. Immer und immer wieder. Wunderbar.

Für die Ausschmückung des Grundmusters gilt: Erlaubt ist, was Spass macht. Etwa Panzer, die mittels Rückschlag durch die Lüfte manövrieren, Schiffscontainer, die zum Hütchenspiel umfunktioniert werden, Helikopter, die kopfüber fliegen. Während Nolans «Inception» die Narrenfreiheit seiner mühsam aufgebauten Traumwelten nicht ausnützt, werden bei «The A-Team» die Gesetze der Schwerkraft so bedenkenlos ausgehebelt, dass es eine Gaudi ist. Die Serie kleckerte, der Film klotzt.

Hannibal sagt: «Overkill is underrated». Oder: Des Guten zu viel ist gerade genug.

Da spielt es absolut keine Rolle, dass Hannibal (cooler Hund, Zigarre kauend: Liam Neeson) binnen weniger Stunden einen Herzstillstand und eine Feuerbestattung überlebt. Oder dass der Kölner Dom und Hauptbahnhof plötzlich in Frankfurt auftauchen. Selbst Kritiker müssen dem Film zugestehen, dass er sich konsequent an die vorgegebene Marschrichtung hält. Dass er in keiner Sekunde vorgibt, etwas anderes zu sein als ein Action-Streifen. Während sich «Inception» an der Zweigleisigkeit zwischen konventioneller Action und verkopftem Überbau selber ausbremst, rast «The A-Team» ungehindert Richtung Showdown.

Natürlich endet der Film treu im Flammeninferno. Rasant geschnitten und mit wirren Close-ups gefilmt, gerät «The A-Team» zur Wildwasserfahrt, bei der sich der Zuschauer am besten lockermacht und treiben lässt. Als Anker dienen ihm die vier Protagonisten, und es ist Regisseur Joe Carnahan hoch anzurechnen, dass die B-Besetzung des A-Teams nur unmerklich vom markanten Original abweicht.

Hannibal sagt: «I love it when a plan comes together.» Oder: Gönnen Sie sich diesen Spass!

The A-Team (USA 2010), 119 Min. Regie: Joe Carnahan. Mit: Liam Neeson, Bradley Cooper, Jessica Biel, Quinton «Rampage» Jackson u.a. HHHHI

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