Für Kunstfans ist 2019 der eine oder andere Abstecher ins Ausland obligatorisch. Das gilt für Fans Alter Meister, für jene, die auf die Moderne schwören wie für die Aficionados zeitgenössischer Kunst. Denn erstens ist es ein ungerades Jahr, also ein Biennale-Jahr in Venedig, und zweitens stehen heuer runde Gedenktage grosser Künstler und bahnbrechender Bewegungen an. 

Wer wissen will, was läuft, muss nach Venedig. Zu hohe Hotelpreise hin, Touristenmassen her. Die Biennale mit ihrer zentralen Ausstellung im Arsenale, den Länderpavillons in den Giardini und den ausgelagerten Beiträgen aus aller Welt lohnen den Besuch. Was Kurator Ralph Rugoff unter dem sehr offenen Titel «tempi interessanti» (offizielle englische Version: May You Live In Interesting Times) zeigen wird, ist noch offen. Sein Motto beziehe sich auf eine oft missverstandene chinesische Redewendung, erklärt er. Interessante Zeiten meinen «Perioden der Unsicherheit, der Krisen und des Umbruchs», also genau das, was unser heutiges Leben präge. Aber um nicht mit negativen Schlagworten Stimmung zu machen, verspricht er einen Zugang, der «Vergnügen und kritisches Denken» vereint. (58. Biennale Arte, Venedig: 11. Mai bis 24. November. www.labiennale.org)

Art Basel folgt

Was an der Biennale gehypt wird, landet im Juni in Basel. An der Art Basel. Nichts ist für das Geschäft der jeweils rund 300 «leading galleries» aus aller Welt bekömmlicher als durch die Biennale oder auch Museums-Schauen geadelte und für wichtig erklärte Künstlerinnen und Künstler. (Art Basel: 13. bis 16. Juni. www.artbasel.com)

Leonardo der Grösste

Wer nun sagt, Biennale oder Art Basel sind gewöhnlich, sie kommen alle (zwei) Jahre wieder, kann sich 2019 Ausstellungen in die Agenda eintragen, die es nur einmal im Leben zu sehen gibt. Allen voran gilt es den 500. Todestag von Leonardo da Vinci zu feiern. Eine Pilgerreise ins Loire-Tal, wo das Genie am 2. Mai 1519 starb, ist für Fans unumgänglich. Zwar ist das Grab in der kleinen Kapelle des Château du Clos Lucé in Amboise enttäuschend unscheinbar, aber das ganze Jahr über gibt es Konzerte, Exkursionen, nachgebaute Erfindungen, ein Jardin Léonard wird angelegt: «Alles wird den Geist des Künstlers atmen», verspricht man. (www.vivadavinci2019.fr)

Für Leonardos Kunst muss man nach Paris reisen, der Louvre besitzt die grösste Sammlung (nicht nur die «Mona Lisa»). Das Museum verspricht ab Herbst «eine noch nie da gewesene» Schau. Noch publiziert es den Eröffnungstag nicht offiziell, es dürfte der 24. Oktober sein. Ob der Louvre auch die Schlüsselwerke aus Italien dafür bekommt, sei noch ungewiss, hört man. Zur Erinnerung: Nur gerade 17 Gemälde des Renaissance-Genies sind erhalten und ihm zugewiesen. Aber da Leonardo in seinen letzten drei Lebensjahren für den französischen König François Ier «Erster Maler, Ingenieur und Architekt» war, bilden seine späten Gemälde, Zeichnungen und technischen Notate den Kern der Louvre-Sammlung. (Louvre: 24. Oktober bis 24. Februar 2020. www.louvre.fr)

Die grösste Zeichnungssammlung da Vincis besitzt allerdings das englische Königshaus. Es schickt Teile seiner Kollektion ab Februar bis zum Frühjahr auf eine Ausstellungsreise durch Grossbritannien und versammelt dann die rund 200 Blätter zu einem Aufsehen erregenden Feuerwerk im Buckingham Palace, dem Stadtpalast der Queen. (Buckingham Palace, London: 24. Mai bis 13. Oktober. www.rct.uk)

Wachen mit Rembrandt

«Erst» den 350. Todestag gilt es bei Rembrandt zu feiern. Das Rijksmuseum Amsterdam macht das mit «der grössten Schau, die wir in unserem Leben je werden sehen können», wie es in der Ankündigung von «All the Rembrandts» heisst. Gezeigt werden erstmals gleichzeitig alle 22 Gemälde, 60 Zeichnungen und 300 Grafiken des Museums. Dazu kann das Publikum bei der Restaurierung der «Nachtwache» zuschauen. (Rijksmuseum, Amsterdam: 15. Februar bis 10. Juni)

Rembrandt und Diego Velázquez sind danach die beiden Leader in der Gegenüberstellung der niederländischen und der spanischen Malerei aus dem 17. Jahrhundert. Ein Gemeinschaftsprojekt von Prado und Rijksmuseum. (Madrid: 25. Juni bis 29. September. www.museodelprado.es. Amsterdam: 11. Oktober bis 19. Januar 2020. www.rijksmuseum.nl)

Die Welt neu denken

Nur hundert Jahre zurück – für unsere Gegenwart aber prägend – liegt die Gründung des Bauhauses. In Berlin, Dessau, Weimar und an anderen Orten gilt es 2019 einzutauchen in die revolutionären Gedanken über Architektur, Design und Kunst für einen besseren Alltag, nach dem Motto «Die Welt neu denken». Um alles oder wenigstens die wichtigsten Teile zu besichtigen, bucht man am besten gleich einen Deutschlandurlaub. Unter dem Titel «Grand Tour» listen die Veranstalter 100 Orte auf, an denen die Moderne zu entdecken ist. In Berlin, Dessau und Weimar entstehen sogar neue Bauhaus-Museen – hier laufen auch ausstellungsmässig die Fäden von der Vergangenheit mit der Zukunft zusammen. Start ist in Berlin am 16. Januar mit einem zehntägigen Eröffnungsfest. (www.bauhaus100.de)

Heroen in der Schweiz 

Die Schweiz kann im internationalen Kunstkonzert grosser Namen mithalten. Zwei Shows sind für in- wie ausländische Besucher Agenda-Musts: Picasso in Basel und Turner in Luzern. Joseph Mallord William Turner (1775–1851), der berühmteste und feinsinnigste Engländer aller Zeiten, der Romantiker, der mit seinen Seestücken und lichtvollen Landschaften den Impressionismus eigentlich vorweggenommen hat, war auch ein Schweiz-Reisender. Turners Bilder des Vierwaldstättersees: berückend schön! Das Kunstmuseum Luzern leistet sich die Schau zum 200. Geburtstag. (Turner. Das Meer und die Alpen. Kunstmuseum Luzern: 6. Juli bis 13. Oktober. www.kunstmuseumluzern.ch)

Was Leonardo da Vinci für die Renaissance, war Picasso für die Moderne: das Jahrhundert-Genie. Keiner ist bekannter, keiner war innovativer. Die Fondation Beyeler zelebriert die frühesten eigenständigen Phasen in einer Schau. In der blauen und der rosa Periode, 1901 bis 1906, suchte der junge Spanier zwischen Barcelona und Paris seinen Weg. Mit Gemälden von Zigeunern, Zirkusleuten und mit dem Uralt-Thema Mutter und Kind malte er die «ersten Meilensteine» seines immensen Schaffens. (Fondation Beyeler: 3. Februar bis 26. Mai. www.fondationbeyeler.ch).