Philipp Muntwiler

Ein besonderes Jahreskonzert geht am Samstag über die Bühne der Birrwiler Mehrzweckhalle. Die Musikgesellschaft Birrwil feiert an diesem Abend den 150. Geburtstag. Zu diesem seltenen Ereignis spendieren sich die Mitglieder eine neue Uniform, erst die vierte in der langen Geschichte der Musikgesellschaft.
Lange traten die Musiker in zivil auf. Sie konnten sich schlicht keine Uniform leisten. Dieser Umstand führte in den frühen Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts gar zu einem schweren nachbarschaftlichen Zerwürfnis zwischen den Musikgesellschaften Beinwil am See und Birrwil.
Im Sommer 1914 planten die beiden Musikgesellschaften eine gemeinsame, zweitägige Reise über den Gotthard. Was sich in der Vorbereitung abspielte, steht im Protokoll vom 14. Juli 1914: Kurz vor der Reise stellte sich heraus, dass die Musikanten aus Beinwil am See nur in ihre Uniformen gekleidet reisen wollten. Weil aber die in zivil reisenden Birrwiler neben den Beinwilern nicht wie armselige Hilfsmusikanten auftreten wollten, kam die Reise nicht zustande.
Der Frust unter den Birrwilern war gross. Sie konnten die in ihren Augen sture Haltung der Beinwiler nicht verstehen. Und es reute sie scheinbar noch mehr, dass sie den sturen Beinwilern bei der gemeinsamen Übung ein Fass Bier spendiert hatten. Die Ersatzreise führte die Birrwiler, ohne ihre Nachbarn, an die Landesausstellung nach Bern.
Sechs Männer aus dem Dorf taten sich 1860 zusammen, um gemeinsam zu musizieren. Ob es zu diesem Zeitpunkt bereits zur Vereinsgründung kam, ist nicht bekannt. Denn aus jener Zeit gibt es fast keine Dokumente. Das erste schriftliche Zeugnis stammt aus dem Jahr 1862: die Statuten der Blechmusikgesellschaft Birrwyl. Wer der Gesellschaft beitreten wollte, musste seine theoretischen und praktischen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Die Mitgliederversammlung entschied dann in geheimer Wahl, ob der Aspirant in den Kreis der Musikanten aufgenommen wurde. Ausserdem musste der neu Eintretende 40 Franken Eintrittsgeld berappen.
Das scheint tatsächlich eine zu hohe Hürde gewesen zu sein. Weil sich keine weiteren Mitglieder fanden, wurde das Eintrittsgeld bereits im Januar des folgenden Jahres um 10 Franken gesenkt. Das schien zu nützen, denn im Herbst zählte die Musikgesellschaft bereits 13 Musikanten.

Streit unter den Mitgliedern und Vereinsauflösung

Im Sommer 1864 kam es zu einem ersten grossen Zerwürfnis innerhalb des Vereins: Vier Musikanten verliessen nach Meinungsverschiedenheiten mit dem Vorstand den Verein. Und als 1865 die Statuten ihre Gültigkeit verloren, konnten sich nur 5 Mitglieder dazu entschliessen, den Verein provisorisch weiter bestehen zu lassen. Zwei Jahre später, am 1. September 1867, wurde die Gesellschaft gar aufgelöst.
Aber bereits 10 Tage später, am 11. September, wurde die Blechmusikgesellschaft neu gegründet. Viele Mitglieder des alten Vereins gehörten auch dem neuen an.
Bis zum Ersten Weltkrieg blieb der Verein von ähnlich einschneidenden Ereignissen verschont. Aber in den Zwanzigerjahren rumorte es gewaltig: In den 15 Jahren von 1920 bis 1935 führten nicht weniger als 13 Präsidenten den Verein. Streit innerhalb des Vorstandes, zwischen Vorstand und Mitgliedern sowie unter Mitgliedern war an der Tagesordnung. Dies führte schliesslich 1931 zur erneuten Auflösung.
Aber auch hier vergingen nur ein paar Wochen, bis ehemalige und neue Musikanten eine neue Musikgesellschaft gründeten. Unter dem Namen «Musikverein» sollte ein Neuanfang gewagt werden. Zum Dirigenten wurde Jakob Leutwiler gewählt, der noch wenige Jahre zuvor erklärt hatte, dass die Birrwiler zuerst die Tonleiter üben sollten. Dennoch: Endlich kehrte Ruhe ein.
Mit ersten Auftritten an Musikfesten hatten die Musikanten bei den Übungsstunden endlich ein Ziel vor Augen. Von Jahr zu Jahr waren Fortschritte zu erkennen. Der Erfolg blieb nicht aus: 1958 organisierte der Verein einen Musiktag mit 900 Teilnehmern aus den Kantonen Aargau und Luzern.

150-Jahr-Jubiläum

Anders als das letzte Jubiläum vor 25 Jahren, als ein zweitägiges Jubiläumsfest stattfand, wird der Festakt im Rahmen des Jahreskonzertes über die Bühne gehen. Deshalb startet das Konzert bereits um 19 Uhr.
Das Programm ist im ersten Teil eher klassisch gehalten, im zweiten spielt die Musikgesellschaft modernere Stücke. Den Auftakt bildet der Birrwiler Marsch. Jenes Stück, mit dem Dirigent Heinz Sinniger 1997 für 20 Amtsjahre geehrt wurde.
Während des Konzertes wird die neue Uniform kurz vorgestellt. Ausserdem wird auch ein Buch über die Geschichte der Musikgesellschaft verkauft, das viele amüsante Anekdoten bereithält.

Birrwil, Mehrzweckhalle, Samstag, 6. März, 19 Uhr. Türöffnung 18.15 Uhr. Abendessen nach dem Konzert.