Wer soll da hingehen, zu Jean-Baptiste Molières (1622–1673) Ballett-Komödie «Der Bürger als Edelmann», zu einem Musical aus dem Jahre 1670? Wer will eine Komödie sehen, in der ein Herr Jourdain um die Gunst einer Adligen buhlt und sich zum Affen macht? Wer will sich den Bauch volllachen im Plüschtheater, weil dieser vor Liebe und Adelssucht blind gewordene Bürger nicht mal den Unterschied zwischen Prosa und Vers kennt?

Regisseur Werner Düggelin offenbar durchaus, er begegnet dem Werk auf der Pfauenbühne mit einem kopflastigen Lächeln und bietet vordergründig einen klassischen Abend voller Verse, Plüsch und Degen. Ja, der 84-jährige «Dügg» ist selbst ein grosser Fechtmeister! Ein kühner Streich und schon ist ein vermeintlich langfädiger Dialog zu einem Spässchen verkürzt.

Tanzmeister (Ludwig Boettger), Schneider (Florian Gaus), Musikmeister (Jürg Kienberger), Diener (Jan Bluthardt) und Dienstmädchen (Henrike Johanna Jörissen): Alles ist komplett. Und doch nicht. Denn diese Figuren sprechen an ihren Worten vorbei. Der Regisseur lässt sie ins Leere laufen, haut dann umso heftiger auf die Klamauk-Pauke und biegt in den letzten zwei der 80 Minuten so aufgesetzt auf die Tragödienstrasse ein, dass man darüber – endlich – lachen muss.

Viel Staffage für den Weg ins Elend

Rainer Bock zeigt den Titelhelden Jourdain sowohl im Schlafrock als auch im Haute-Couture-Anzug als Häuflein Elend. Alle anderen prallen an seinem Tunnelblick ab und wuseln doch dauernd wild um ihn herum, ebnen ihm den Weg ins Elend.

Selbst auf die Ballett-Tänzer verzichtet der Altmeister Düggelin nicht – das Original, die Ballett-Komödie, verpflichtet ...  Doch mehr als sich für den Tanz aufwärmen dürfen die Tänzer mit Ausnahme eines 10 Sekunden langen Menuetts nicht. «Getanzt» wird dann doch noch: Die zwei jungen Liebespaare schlagen schreiend aufeinander ein, bis nicht nur ihnen, sondern auch dem Zuschauer die Luft ausgeht. Es ist ein grelles Aufflackern des guten alten Lustspiels.

Falls Düggelin zeigen wollte, wie unlustig und böse diese Komödie ist, wie bitter der zum Angeben aufgetischte Süsswein, ein 45er-Château d’Yquem, schmeckt, ist er gescheitert. Es bleibt der schale Nachgeschmack, dass dieser Abend nicht mehr als die geistige Fingerübung eines Altmeisters ist. Das Publikum wird er damit nicht um den Finger wickeln.

Der Bürger als Edelmann Schauspielhaus Zürich, 14-mal bis 31. März.