Der grosse Poet der Rockmusik steht weniger auf Überraschungen als auch schon: Während seiner aktuellen Konzerte spielt Bob Dylan jeweils recht ähnliche Sets. Überraschend höchstens: Der Star verkroch sich die meiste Zeit hinter seinem Flügel. Kein Mann mit Mundharmonika und Gitarre, und auch kein «Hello», geschweige denn eine Vorstellung der Band. Wozu auch, es gab ja seit Jahren keine Wechsel.

In Zürich waren im exakt 20 Nummern umfassenden Programm fünf ikonische Songs seiner ersten Alben aus den frühen sechziger Jahren und vier Songs vom Album «Tempest» von 2012, seinem letzten Album mit selbstgeschriebenem Material, zu hören. Dazwischen gab es gleich mehrere Reminiszenzen an «Time Out Of Mind» von 1997 und an das Meisterwerk «Blood On The Tracks» von 1974 – trotz der unendlich vielen Variationsmöglichkeiten des riesigen Repertoires eine durchaus plausible und gefällige Auswahl.

Auf der «Never Ending Tour» – Jahr für Jahr gibt Dylan gegen 100 Konzerte – ist das Material aus der Epoche des Great American Songbooks eher ein Akzent denn ein tragendes Element, obwohl ihm Dylan die letzen drei Alben widmete. Immerhin: Als Dylan mit «Melancholy Mood», «Once Upon A Time» oder einem zuckersüssen «Autumn Leaves» Songs zum Besten gab, die Frank Sinatra schon trällerte, stand er in Entertainer-Manier in seinen kessen schwarzen Cowboy-Anzug ohne Instrument ans Mikrofon, mal am Bühnenrand, mal hinten am Vorhang. «His Band», seine seit vielen Jahren eingespielten Begleiter, gaben mit ihren weissen Dinner-Jackets den stilvollen Rahmen dazu ab. Die Herren sind aber nicht nur hübsch anzusehen, sie tragen ihren Chef kongenial durchs Set – ein Unterfangen, an dem manch prominenterer Namen schon gescheitert ist.

Nach dem formellen Abschluss des Programms mit «Long And Wasted Years» von 2012 liess sich die Band feiern, bis als Zugaben zwei legendäre Frühwerke präsentierte: ein wohl kaum wieder zu erkennendes, aber gleichwohl prächtiges «Blowin In The Wind» und eine eindringliche «Balad Of A Thin Man». «Because something is happening here / But you don’t know what it is / Do you, Mister Jones?» Momoll, wir wissen es. Einer der Grössten des Rockbusiness gab sich die Ehre, und kann es noch immer.