Kultur

Bluessängerin aus der Schweiz kratzt an einer Sensation

Siegerin der Herzen: Die in der Schweiz lebende Sängerin Justina Lee Brown.

Siegerin der Herzen: Die in der Schweiz lebende Sängerin Justina Lee Brown.

Justina Lee Brown und ihre Schweizer Band haben in Memphis an der International Blues Challenge verzückt. Am Schluss haben sich die Traditionalisten doch durchgesetzt.

Für europäische Musiker ist es sehr schwer, die amerikanische Vorherrschaft in Sachen Blues zu brechen. Der in der Schweiz lebenden Sängerin Justina Lee Brown und ihrer Schweizer Band um den Badener Gitarristen Nic Niedermann ist das fast gelungen. An der 36. Internationalen Blues Challenge in Memphis, Tennessee, spielten die Schweizer Vertreter mit 250 teilnehmenden Acts aus aller Welt um die Krone des Blues.

Doch die nordamerikanische Vormacht blieb im Final gewahrt. Trotz drei fulminanten Auftritten haben die aus Nigeria stammende Sängerin und ihr Schweizer Sextett den Sprung ins Final der besten Acht knapp nicht geschafft. Als würdiger Sieger durfte sich am Ende das Horojo Trio aus Kanada feiern lassen.

Die Reise an den Mississippi wurde für Justina Lee Brown und Nic Niedermann möglich durch ihren ersten Rang an der Swiss Blues Challenge. Ihr gemeinsames musikalisches Projekt, welches bisher in der Veröffentlichung des Albums «The Black And White Feeling» gipfelte, erhielt durch die Memphis-Reise einen weiteren Schub. Denn die Band wurde in den Clubs an der legendären Beale Street von Memphis zu den Siegern des Herzens.

Schnell sprach sich herum, dass Justina Lee Brown und ihre brillante Truppe die «Band to watch» sei. Nach dem ersten, 25-minütigen Auftritt wurde sie von Interview zu Interview gereicht. Zudem konnte man während ihrer Halbfinal-Show zwei Tage später eine Grosszahl führender Koryphäen aus der Blues-Industrie im Publikum entdecken. Ausserordentlich begeistert zeigten sich etwa Jesse Finkelstein vom weltumspannenden Blues Radio International, die arrivierten Sängerinnen Shemekia Copeland und Shakura S’Aida, sowie Saxofonist Jimmy Carpenter. Auch ein Bruce Iglauer vom führenden Blues Label Alligator Records – immer dabei, wenn es etwas Spannendes zu entdecken gibt – mischte sich unter die Zuhörer.

Traditionalisten setzten sich noch einmal durch

Nach der ersten Enttäuschung ob der verpassten Finalteilnahme überwogen bei Brown und Niedermann aber die positiven Gefühle. «In der Hauptstadt des Blues zu sein, war eine grossartige Erfahrung. Man fühlte sich wie ein Pilger. Wir haben unheimlich viel gute Musik aufgesogen und durften Geschichte hautnah erfahren», sagte Niedermann. «Das Spielen unter intensiven Bedingungen hat uns als Band enorm weitergebracht. Und – nicht zu unterschätzen – wir konnten viele wichtige Kontakte knüpfen!»

Das Niveau der Challenge war durchgehend sehr hoch. Aber es besteht ein Graben zwischen der traditionellen und der innovativen Bluesfraktion. In der Bluesszene tobt ein Kampf: Wie stark soll an der Tradition festgehalten werden? Nicht-Amerikaner stehen auf der Seite der Innovation und versuchen, den Blues weiterzuentwickeln. Traditionalisten haben sich noch einmal durchgesetzt.

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