Spinnen krabbeln über die Leinwand und sorgen fürs erste Schaudergefühl. Dann schlendert sie auf die Bühne: Billie Eilish, das neue Wunderkind des Pop. Grün gekleidet, die Haare grün eingefärbt, hüpft sie über die Bühne und murmelt «Bad Guy» ins Publikum. Die Menge am Zürich Open Air schreit zurück. Die inzwischen 17-jährige Amerikanerin hat ihre Fans sofort im Griff.

Natürlich sind es vorwiegend weibliche Fans, die lautstark mitsingen. Aber man wird dem Phänomen Billie Eilish nicht gerecht, wenn man sie auf Teenie-Pop reduziert. Zu philosophisch, zu poetisch sind ihre Texte, zu vielschichtig und emotional ist ihre Musik, die sie mit ihrem Bruder Finneas O’Connell, der hinter ihr auf der Bühne Bass, Gitarre und Keyboard spielt, ersonnen hat.

Durch die düstere Musik schimmert auch Licht

Billie Eilish transportiert Zukunftsängste, Zweifel und Endzeitstimmungen, doch durch die dunkle, düstere Musik, den schaurig-schönen Sound schimmert immer etwas Licht. Billie Eilish ist nicht die Greta des Pop, sie hat keine Mission. Vielmehr reflektiert sie Stimmungen der Zeit, Gefühle, die generationsübergreifende Gültigkeit haben. So fasziniert die 1,61 Meter kleine Billie Eilish in Zürich auch die Eltern der Kinder, die sich auf dem Open-Air-Gelände freilich eher im Hintergrund aufhalten.

Wahnsinn, wie sich das Pop-Küken innert kürzester Zeit entwickelt hat. Im Februar, als sie im KKL an den Swiss Music Awards auftrat, wirkte sie auf der grossen Bühne noch sehr verloren. Gehypt wurde sie schon damals. Aber seither hat sie mit ihrem Debütalbum die Welt erobert. Mit mehr als zwei Milliarden Stream-Zugriffen und mehr als 34 Millionen Followern auf Instagram hat sie sich zur neuen Heldin und Hoffnungsträgerin des Popbusiness aufgeschwungen.

Dabei wirkt sie am Konzert in Zürich immer noch verletzlich. Oft haucht, flüstert oder piepst sie mehr, als dass sie singt. Doch inzwischen strahlt Billie Eilish Selbstsicherheit aus. Die Unsicherheit ist verflogen.