Wortspiele und Brandreden im Hallenbad

Die Schweizer Poetry Slam-Meisterschaften 2019 im Neubad Luzern in Bildern.

Céline Graf
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Alle drei Finals im Neubad-Pool waren ausverkauft. (Bilder: Christian Felber, Luzern, 28. bis 30. März 2019)
Beim Poetry Slam ist das Publikum die Jury.
Den Anfang machten die U20-Finalisten am Donnerstag. Der Aargauer Jeremy Chavez hielt eine Brandrede gegen Rassismus.
Eine raumfüllende Performance zeigte Benjamin Flur Koch aus Dietwil AG. Er kommentierte die aktuelle Klimadebatte mit einer mythologischen Saga.
Angehaucht vom Horrordichter Edgar Allan Poe, entführte der Zürcher Basil Frei das Publikum in den Teutoburger Wald, wo gruselige Dinge passierten.
Caterina John aus Bubendorf BL dichtete konsumkritisch und war die einzige weibliche Teilnehmerin in einem Einzelfinal.
Jeremy Chavez (r.) holte sich den U20-Sieg mit einem witzigen Statement gegen Gesundheitsfanatiker vor Jusef Selman (TG, 2.v.l.) und Noah Oetterli (BE, 2. v.r.).
Für die Meisterschaft wurde im Neubad extra eine Tribüne installiert.
Am Freitag galt es, die Sieger der Kategorie Team zu küren. Die Rolle der Aufwärmer, deren Bewertung nicht zählt, nahmen Valerio Moser und Manuel Diener als Duo Interrobäng mit vollem Körpereinsatz ernst.
Phibi Reichling und Kilian Ziegler alias Die Agile Liga verpassten dieses Jahr knapp die Titelverteidigung. Sie schlugen sich wacker im Beatboxen und reihten Wortspiele aneinander – etwa: «Rage against the washmachine!»
Laut & Stark (sie laut und stark, er das «und») versetzten sich in die Langeweile, die das Herz hätte, wäre es Jazzmusiker.
Das junge Frauenduo Lorem Impsum beschäftigte sich mit dem Erwachsenwerden.
Gregor Stäheli und Diego Häberli aus St.Gallen machten ihr Comeback als Duo Haber & Stahl zum Thema.
Gingen mit ihrem Humor auch mal bis an Schmerzgrenze: Remo Zumstein und Pesche Heiniger vom zweitplatzierten Terracotta Forellenquintett.
Das Schülerduo Jeremy Chavez und Benjamin Flur Koch erzählte vom Abenteuer eines Blitzkastens.
Mit absurden Geschichten über Wimpern und Essen slammten sie die anderen Teams an die Neubadwände: Fatima Moumouni und Laurin Buser (Zum Goldenen Schmied).
Der Fluch der ewigen Zweiten war gebrochen.
Am Samstag dann waren die Scheinwerfer auf die Finalisten in der Kategorie Einzel gerichtet. Der Gewinner wird Schweizer Poetry Slam-Champion.
Joël Perrin aus Männedorf rappte: «Ich bin ein Pazifist mit Hang zur Sprachgewalt.»
Der Schwyzer Kilian Küttel, Redaktor bei der Luzerner Zeitung, solidarisierte sich mit Enten («Stan Wawrinka der Tiere») und disste Schwäne («Snobs der Fauna»).
Lukas Becker aus Zürich erreichte trotz Textpatzer in rasanter Geschwindigkeit das Ende seiner Tirade gegen Selbstoptimierung und Globalisierung.
Kilian Ziegler, letztjähriger Schweizer Meister im Poetry Slam, war ehrlich: «Ich bin eher ein Muskelcouvert als ein Muskelpaket.»
Kay Wieoimmer aus Bern geizte in seiner politischen Rede für Toleranz und Liebe nicht mit Pathos.
Marco Gurtner kam, lamentierte zum Vergnügen des Publikums leidenschaftlich über Fondue-Dilemmata und siegte.
Zum Sieg verhalf Marco Gurtner ein Pistenfahrzeug, das auf den lautmalerischen Namen Ratrac hört.
Gemäss der Tradition stiessen alle Finalteilnehmer mit dem Sieger-Whisky an und feierten noch lange weiter. Die nächsten Schweizer Meisterschaften im Poetry Slam werden 2020 in Basel stattfinden. (Bilder: Christian Felber)