Kunstkolumne

Bildbetrachtung von Sabine Altorfer – diese Woche: Das biblische Ereignis nach dem Dreikönigstag

Nur gerade 9,8 x 7,6 cm gross: Adam Elsheimer, «Die Flucht nach Ägypten», um 1605. Öl auf Kupfer, versilbert.

Nur gerade 9,8 x 7,6 cm gross: Adam Elsheimer, «Die Flucht nach Ägypten», um 1605. Öl auf Kupfer, versilbert.

Es gibt neben den grossen Motiven auch biblische Ereignisse, die nur in bestimmten Epochen als Bild- und Predigtstoff wichtig oder beliebt waren. Die Flucht nach Ägypten gehört dazu, obwohl das Thema ja durchaus aktuell ist.

Haben Sie den Dreikönigskuchen gut verdaut? Dann ist Zeit für das nächste biblische Ereignis. Im Matthäus-Evangelium lesen wir: «Als sie [die drei Könige] aber hingezogen waren, siehe, da erscheint ein Engel des Herrn dem Josef im Traum und spricht: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter zu dir und fliehe nach Ägypten, und bleibe dort, bis ich es dir sage! Denn Herodes wird das Kind suchen, um es umzubringen.»

Die Flucht nach Ägypten war ein beliebtes Motiv der religiösen Malerei. Diese Miniatur von Adam Elsheimer (1578–1610) ist die knappst mögliche Darstellung: Joseph führt den Esel durch schwieriges, felsiges Terrain, die erschöpfte Maria, traditionell blau und rot gekleidet, hält den Säugling, am Sattel hängt etwas Hausrat. Auffällig ist, dass Elsheimer auf den Nimbus (Heiligenschein), auf beschützende und führende Engel sowie auf die Wundertaten des Jesusknaben während der Flucht verzichtet. Dafür zeichnet er auf diesem Bildchen von 1605 mit Sorgfalt realistische Details wie Josefs Kleider, den lichten Wald oder den Blick ins Tal mit dem See.

Die berühmtere Variante

Berühmter als diese hübsche Miniatur von 1605 von Adam Elsheimer aus dem Kimbell Art Museum in Fort Worth,Texas ist sein vier Jahre später entstandenes etwas grösseres Gemälde «Rast auf der Flucht nach Ägypten». Auch das war vom Mittelalter bis zum Barock ein oft bestelltes Motiv von Kirchen und Privaten. Elsheimer, der nach Italien ausgewanderte Deutsche, nutzte die Darstellung, um eine grandiose nächtliche Landschaft zu gestalten, in der man die Personengruppe fast suchen muss. Das Bild gehört der Pinakothek München, Sie finden es hier.

Zur Person

Sabine Altorferwar bis Ende November Kulturredaktorin bei CH Media und jetzt freie Autorin. Sie schreibt primär über Bildende Kunst. Seit März 2017 verfasst sie jede Woche in der «Schweiz am Wochenende» eine Bildbetrachtung - passend zur Jahreszeit, aktuellen Ereignissen oder Werken, die sie besonders mag.

Sabine Altorfer

war bis Ende November Kulturredaktorin bei CH Media und jetzt freie Autorin. Sie schreibt primär über Bildende Kunst. Seit März 2017 verfasst sie jede Woche in der «Schweiz am Wochenende» eine Bildbetrachtung - passend zur Jahreszeit, aktuellen Ereignissen oder Werken, die sie besonders mag.

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