Beyoncé kann alles, nur nicht übers Wasser gehen. Aber die grandiose Überheblichkeit ihrer Kollegen, die schafft auch sie, wie sie in ihrem neusten Video-Clip zeigt: «I might just be a black Bill Gates in the making.» Es gibt keine Bescheidenheit. Nur krasse Selbstbestätigung. Denn Beyoncé kommt und kehrt den ganzen weissen Scheiss der letzten 150 Jahre einfach um. Ihre feinen Ladys in der Südstaaten-Villa sind schwarz. Die Kinder, die durch die Zimmer rennen, ebenfalls. Das in der Flut von Hurrikan Katrina untergehende Auto, auf dem Beyoncé steht wie auf der «Titanic», ist ein weisses Polizeiauto.

Beyoncés Video zu «Formation (Dirty)»

Beyoncés Video zu «Formation»

Beyoncé gibt dem schwarzen Amerika, was ihm sonst selten einer gibt. Macht, Stolz, Geld, Bedeutung. Sich selbst und allen andern. Sie schreibt die Geschichte um. Schreibt die Sklaverei und den Rassismus weg. Theoretisch könnte es ja so gewesen sein. Wenn der weisse Scheiss – oder in Beyoncés Worten «that illuminati mess» – nicht gewesen wäre. Für eine Single und ihr Video sind das unfassbar epische Dimensionen.

«My daddy Alabama, Momma Louisiana. You mix that Negro with that Creole make a Texas bamma», besingt sie den interamerikanischen Staatenmix ihrer Herkunft und ihrer Jugend in Houston, Texas. Dann tanzt ein schwarzer Junge vor eine Reihe Polizisten. Sie heben die Hände hoch. «Stop shooting us» steht auf einer Mauer. Das Porträt von Martin Luther King prangt auf einer Zeitung.

«Formation» heisst der Song. Er kratzt im Kopf. Aufregend. Smart. Sexy. Ätzend. Setzt ein mit zwei Saiten, die immer wieder gezupft werden und nachschwingen wie zwei überreizte Nerven. Er ist eine Hommage an die «Formation» der Black Panther Party, der schwarzen Bürgerrechtsbewegung, die vor exakt 50 Jahren gegründet wurde.

Geschrieben hat den stolzen Wutausbruch der 20-jährige Rapper Swae Lee und produziert hat ihn nicht etwa Ehemann Jay-Z, sondern der 26-jährige Mike WiLL Made-It. Angry boys im Dienst der Queen also. Das Video drehte Melina Matsoukas, die sonst vorwiegend für Rihanna arbeitet. «Formation» erschien unangekündigt, wie Beyoncé das seit ein paar Jahren am liebsten macht. Dafür jedoch mit allerlei Merchandising-Artikeln: einem T-Shirt mit Beyoncé
als schwarzer Jeanne d’Arc zum Beispiel. Und: Beyoncé sammelt neu auch Geld, um die Wasserkrise in Flint, Michigan, zu lindern. Ist sie auch noch eine Heilige? Wahrscheinlich.

Auf dem Rasen der Super Bowl formten Beyoncés weibliche Black-Panther-Armee am Sonntag ein ebenmässiges X. Es erinnert an Malcolm X, dessen Ermordung 1965 mit zur Gründung der Black Panther führte. Beyoncé trägt dazu eine Uniformjacke wie einst Michael Jackson. Das Genie, das irgendwo auf dem Weg vom schwarzen Mann zur weissen Frau unerlöst krepierte. Vielleicht gibt Beyoncé damit seiner Seele Frieden.