«Auf ein Wort»-Kolumne
Benedikt spreizt die Beine – warum das Gebäck Grittibänz heisst

Die Mundartkolumne von Niklaus Bigler diesmal zur Wortherkunft des feinen Grittibänz, der früher noch ganz andere Namen hatte.

Niklaus Bigler
Niklaus Bigler
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Bevor Migros und Coop den Grittibänz schweizweit bekannt gemacht haben, gab es die Teigmännchen noch als regionale Individualisten.

Bevor Migros und Coop den Grittibänz schweizweit bekannt gemacht haben, gab es die Teigmännchen noch als regionale Individualisten.

Samuel Schumacher

Bevor Migros und Coop den Grittibänz schweizweit bekannt gemacht haben, gab es solche Teigmännchen noch als regionale Individualisten. In der Region Basel ist es der Grättimaa, im Zürcher Oberland und von Winterthur bis zum Rhein der Elggermaa.

Am wenigsten kennt man heute den Solothurner Hanselmaa und den Luzerner Hanselimaa, von denen das Schweizerische Idiotikon berichtet. Sie bestanden nicht unbedingt aus Züpfeteig; es konnte auch Lebkuchen sein. Und es war ursprünglich nicht überall ein Gebäck zum Chlaustag, sondern zum Neujahr oder einem anderen Tag.

Was die Herkunft betrifft, so waren Bänz (Benedikt) und Hans (Johannes) beliebte Vornamen. Altes schweizerisches grätte oder gritte bedeutet (wie grätschen) ‹die Beine spreizen›, was ja diese Männlein machen.

Ausserhalb der Schweiz kennt man natürlich auch besondere Figurenbrote zum Advent. In Ostfrankreich ist es der Jean Bonhomme, im westlichen Deutschland der Weckmann, in Schwaben der Klause(n)mann, im Nordwesten der Stutenkerl. Im Weckmann steckt unser Wegg (Brotlaib), im Stutenkerl nicht etwa ein Holsteiner oder Hannoveraner Pferd, sondern der Stuten, ein Hefegebäck.

Die originellste Benennung hat das östliche Österreich, nämlich den Krampus, Grampus. Das ist eigentlich ein Teufelchen als unheimlicher Begleiter des Nikolaus, unser Schmutzli.

Der essbare Krampus ist in der Regel reich dekoriert: Hörner aus Teig und eine lange rote Zunge, dazu eine ungeniessbare Rute. Und wer bei uns in ein Bänzenbein beisst, denkt vielleicht wehmütig an die Meitschibei, welche jetzt viele Bäcker aus Political Correctness zu «Glücksbringern» gemacht haben.

Niklaus Bigler war Redaktor beim Schweizerdeutschen Wörterbuch (idiotikon.ch).