Oper

Bei «der Zauberer von Oz» strahlen die kleinen Augen

Dorothy und die Schuhe: «Warum sind die so gross?» Opernhaus Zürich

Dorothy und die Schuhe: «Warum sind die so gross?» Opernhaus Zürich

Das Zürcher Opernhaus bezaubert mit «Der Zauberer von Oz».

«Warum sind die Schuhe so gross?», fragt Liv (6). Tatsächlich, sie ragen mannshoch in die Luft: die magischen roten Schuhe, welche Dorothy von der Hexe des Ostens quasi erbt, nachdem ein Wirbelsturm ihr Haus ausgerechnet auf die Hexe hat fallen lassen. Erdacht hat sich das aussergewöhnliche Schuhwerk einst Autor Lyman Frank Baum in Chicago, als er seinen «Zauberer von Oz» schrieb. Nun stakt es in Zürich imposant in die Luft – und kurz darauf stecken darin (natürlich in einer kleineren Version) die Füsse der souveränen jungen Sopranistin Deanna Breiwick: Blond die Zöpfe, blau das Kleid, schwarz das Hündchen auf ihrem Arm – das ist unverkennbar Dorothy.

Unverkennbar gibt sich in der diesjährigen Kinderoper auch sonst vieles. Etwa die alten Bekannten alias Vogelscheuche (Iain Milne), Blechmann (Cheyne Davidson) oder feiger Löwe (super sonor: Reinhard Mayr), die Dorothy auf ihrem gefahrvollen Weg zum Zauberer von Oz begleiten.

Perfekte Illusion

Für den Weg selbst haben sich Regisseur Floris Visser und Bühnenbildner Gideon Davey allerdings etwas Besonderes ausgedacht: Ob dunkler Wald, ob betörendes Mohnfeld, ob Smaragdstadt – die Szenen spielen sich in Dorothys Schlafkammer ab, die als Guckkastenbühne den Bühnenraum beinahe ausfüllt. Und wann immer die Reise weiter geht, öffnet Dorothy einfach die Zimmertür und tritt in die nächste Kammer, die sich von rechts auf die Bühne schiebt – ein Schritt, der sich Dutzende Male wiederholt, als würde hinter jeder Kammer eine nächste warten. Die Illusion ist perfekt. Bloss wie es den Technikern gelingt, während der Vorstellung unbemerkt die riesigen Guckkastenzimmer links zu demontieren und rechts wieder anzufügen, grenzt an Magie. Ob ihnen da der Zauberer von Oz etwas unter die Arme gegriffen hat?

Die Erwachsenen sind jedenfalls schwer beeindruckt – für die Kinder ist das selbstverständlich, schliesslich ist man im Märchen. Sie begeistern sich für anderes: Der wunderschön singende Kinderchor bringt die Augen von Liv zum Strahlen. Auch seufzt sie erleichtert, als die böse Hexe vor aller Augen im Boden versinkt, und Eva (3) entfährt ein Schrei, als Oz mit dem Heissluftballon entschwebt – hat sie mit davonfliegenden Ballons doch einschlägige Erfahrung.

Tatsächlich hat die hinreissende Inszenierung beinahe durchgehend an kleine wie grosse Zuschauer gedacht. So arbeitet sie quasi mit opulenter Reduktion, kommt einerseits mit wenigen Requisiten aus, schöpft bei diesen aber umso mehr aus dem Vollen. Eine Prise Humor verleiht der Produktion zusätzlich Leichtigkeit. Hervorgezaubert wird diese auch von der Musik. Eigens im Auftrag des Opernhauses entstanden wird sie von Kristiina Poska und der Philharmonia Zürich hörbar lustvoll uraufgeführt. Kein Wunder, mit seinem Schwung à la Gershwin, Anklängen an das Amerika von 1900 und nicht zuletzt der augenzwinkernden Adaption von Rezitativ und Arie hat Komponist Pierangelo Valtinoni (*1959) einen veritablen Ohrwurm geschaffen – der einen «Somewhere over the rainbow» glatt vergessen macht.

Der Zauberer von Oz Opernhaus Zürich. Nächste Aufführungen: 27. 11.; 4. 12. siehe auch www.opernhaus.ch

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1