Kultur

Bei Anna Mae reicht das Spektrum von Steel-Gitarren-Sound bis zu Edith Piaf

Nadja Limacher tritt seit 2010 als Anna Mae auf.

Nadja Limacher tritt seit 2010 als Anna Mae auf.

Nadja Limacher alias Anna Mae verbindet Folk mit Country und Chanson. Die Luzernerin schaut auf zehn Jahre Bühnenerfahrung zurück und arbeitet nun an ihrem ersten Album.

Wenn Nadja Limacher von der Abgeschiedenheit ihres Domizils in Alberswil redet, zaubert das ein entrücktes Lächeln auf ihr Gesicht. «Nachts kann ich die Sterne so gut sehen.» Die Sängerin mag das Landleben, die Natur, die Ruhe. Dort holt sie die Kraft, um das zu tun, von dem manche nur träumen, es aber so selten zu tun wagen.

Seit bald zehn Jahren tritt sie als Singer-Songwriterin unter dem Künstlernamen Anna Mae auf, seit 2016 setzt die Luzernerin ganz auf ihren Traumberuf und damit auf die Karte Musik. Aus dem Jahr 2016 stammt auch ihr Song «Don't go Away»:

Beständig tourt Anna Mae durch ihre Heimat. Aber nicht nur. Die 30-Jährige schaut auf ein bewegtes Jahrzehnt Musikschaffen zurück, stand auch schon in Frankreich, England, Kanada und den USA auf der Bühne. Zur Zeit arbeitet sie zusammen mit Musikproduzent Steffen Peters im Obernauer Soundfarm-Studio an ihrem ersten Longplayer. Beim Treffen in einem Stadtluzerner Café erweist sich Limacher als tiefgründige, bescheidene und gleichzeitig selbstbewusste Künstlerin.

Kinderjahre auf Bauernhof in Frankreich

Anna Maes Musik spiegelt eine breite Genrepalette wider. Sie reicht von Folk über Country und Singer-Songwriter bis hin zu Chanson. Chanson? Wie kommt Limacher dazu, in astreinem Französisch über Liebeskummer zu singen? «Ich habe im Alter zwischen 9 und 13 im Burgund gelebt und bin dort auch zur Schule gegangen», erklärt sie ihre Nähe zum westlichen Nachbarland und dessen Kultur. Mit Eltern und Geschwistern wohnte sie auf einem abgelegenen Bauernhof. «Ich habe sehr schöne Erinnerungen an diese Zeit», sagt sie.

2016 den Brotjob an den Nagel gehängt: Sängerin Nadja Limacher alias Anna Mae.

2016 den Brotjob an den Nagel gehängt: Sängerin Nadja Limacher alias Anna Mae.

Inspiration für ihre französischsprachigen Songs holt sich Limacher von entsprechenden Granden wie Édith Piaf, Michel Sardou oder Jacques Brel. Allerdings kam sie erst im Erwachsenenalter mit der Musik dieser Ikonen in Berührung. Vom Elternhaus hat sie die Freude an US-Legenden wie Elvis Presley oder Tina Turner mit auf den Weg bekommen. Die Leidenschaft für die Musik wurde aber zuallererst durch Countryklänge geweckt.

Heute repräsentiert Country für Limacher den Drang nach Freiheit und kreativer Offenheit. Sich ihren Traum des Musikerinnenlebens zu erfüllen, fusst im Wesentlichen auf diesen Säulen. Das Leben im Büro-Alltag wäre nichts für sie. Das hat sie schon im zarten Alter von 20 Jahren und kurz nach dem Abschluss der Wirtschaftsmittelschule gemerkt. Den Brotjob hat sie 2016 an den Nagel gehängt und angefangen, ihren Lebenstraum in die Tat umzusetzen.

Von London über Chicago bis Toronto

Es war ein mutiges Ausbrechen aus Konventionen, verbunden mit dem Bedürfnis, «etwas Kreatives in die Welt hinauszutragen, und das geht schlecht hinter dem Bildschirm in einem Schulsekretariat». Kurze Zeit darauf machte sich Limacher auf in die weite Welt, besuchte unter anderem ein Jahr lang den Vorkurs einer Londoner Musikhochschule. «Dort lernte ich viel über Musiktheorie und feilte an meinem Gesang.» In der englischen Metropole spielte sie in Pubs an Open-Mic-Anlässen und Singer-Songwriter-Nächten. Limacher hängt ihre vielfältigen Erfahrungen im Ausland nicht an die grosse Glocke – typisch schweizerische Bescheidenheit, könnte man denken. Doch hinter all der Zurückhaltung schimmert ein sehr bestimmter und selbstbewusster Kreativkopf hindurch. Limacher weiss, was sie will.

Sie ergänzt: «Manch eine oder einer absolvierte dieses Jahr einfach aus Spass am Singen. Ich aber habe schnell gemerkt, dass ich ganz andere Ambitionen habe.»

Und diese trugen sie 2018 bis ans renommierte Festival «Canadian Music Week» in Toronto. Sie nutzte die Gelegenheit gleich aus, um den Trip über den Atlantik mit einer kleinen Tournee durch den mittleren Westen der USA zu verbinden. Dabei war das Aufscheinen im Line-up in Toronto ein Türöffner. «Ich habe vor meiner Abreise einfach ein paar Locations angeschrieben und viele luden mich für einen kleinen Gig zu sich ein.» Wie in einem Musikfilmmärchen reiste sie mit der Gitarre auf dem Rücken durch Amerika. Sie spielte unter anderem in Minneapolis, Chicago, Kansas City oder in Kleinstädten in South Dakota. Insgesamt vier Wochen war sie unterwegs. Drei Wochen in den USA, danach ging es nach Toronto.

Ihre Erlebnisse in England und Nordamerika haben Limacher nicht nur menschlich, sondern auch musikalisch nachhaltig geprägt. Das macht sich auch in ihrem ersten Album bemerkbar, das nächstes Frühjahr erscheinen wird. Darauf wirken mit der finnischen Songschreiberin Hanna Vinter und dem US-Pedal-Steel-Gitarristen Brian Wilkie auch zwei Bekanntschaften aus Londoner und Chicagoer Tagen mit. Die Platte wird die bisherige Genremischung des typischen Anna-Mae-Sounds in sich vereinen. «Folk- und Country-Elemente kommen dabei gut zur Geltung. Aber es hat auch klar bluesige und rockige Töne mit drin.» Bei den Aufnahmen im Obernauer Studio wurde sie unter anderem von Luzerner Grössen wie Tobi Gmür von Mothers Pride an der Mandoline oder Andy Schnellmann am Bass begleitet. Letzterer hat auch schon für Sophie Hunger in die Saiten gegriffen.

Ein Album nahe der Wunschvorstellung

Warum hat es bis ins Jahr 2020 gedauert, sich an die Arbeit eines Albums zu machen? «Davor dachte ich nie an einen Longplayer, sondern wollte einfach live spielen, Kontakte knüpfen, Erfahrungen sammeln.» Und auch wenn der Lockdown im Frühling nicht der Auslöser für den Entscheid hin zur ersten Platte war, so war er doch ein Beschleuniger.

Limacher schreibt ihre Lieder grundsätzlich selber, teilweise in Zusammenarbeit mit Vinter. Limacher sagt: «Es kommt ein Album heraus, das sehr nahe an dem ist, was ich mir schon immer erträumt habe.» Noch ist das Werk, für deren Finanzierung sie ein Crowdfunding lanciert hat, nicht fertig. Es wird fleissig daran geschraubt und weiterentwickelt. Die Energie für den letzten Schliff holt sich Limacher derweil in ihrem Zuhause im Luzerner Hinterland. In der Ruhe der Abgeschiedenheit und beim Blick hinauf zum Nachthimmel.

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