Krimi
Raphael Zehnder lässt Kommissar Müller auf der Schützenmatte ermitteln

Im dritten «Müller»-Krimi aus Basel führt uns der Autor und Journalist Raphael Zehnder in die Welt einer ureigenen Regio-Fussballkultur.

Anna Wegelin
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Er hat es schon wieder getan: Radiomacher Raphael Zehnder legt seinen achten Müller-Krimi vor.

Er hat es schon wieder getan: Radiomacher Raphael Zehnder legt seinen achten Müller-Krimi vor.

Roland Schmid

«Der Müller Benedikt» hat einen beachtlichen Weg beschritten, seitdem wir den überaus sympathischen «Kriminalkommissär» mit Hang zum Grüblerischen vor fast einem Jahrzehnt kennen lernten. Da war der Müller, wie Zehnder ein gebürtiger Badener, noch bei der Polizei Zürich und fischte eine Tote aus der Limmat.

Inzwischen ist Raphael Zehnders «Müller»-Krimireihe auf acht Bücher angewachsenen. Das macht aufgerundet ein Buch pro Jahr, eine beachtliche Produktivität neben Zehnders Job als SRF-Redaktor und Familienvater.

Mit «Müller und die Schützenmatte» komponiert Zehnder eine Geschichte rund um den fiktiven SC Basel, angereichert mit zahlreichen Nebengeschichten und Weisheiten zu allen möglichen Themen zwischen Himmel und Erde. Sein neuer Kriminalroman ist auch ein schillerndes Panorama von Basel und seinen guten und bösen, zufriedenen und wütenden Menschen.

Müller lebt ja jetzt im Bachlettenquartier, aber nicht in einer Villa. Er hat den Offiziersgrad gemacht und ist Kriminalchef im Waaghof. Mit 50 Jahren hat er den Zenit seiner Karriere erreicht, die ihn aber wenig interessiert, dafür umso mehr das Liebesglück mit seiner tollen Freundin aus Kleinbasel, die zwei kleine Kinder hat.

Hass und Hetze an Hauswänden

Aber ansonsten ist unser nahbarer Held seinem alten Selbst treu geblieben, wofür wir ihn lieben. Der Müller arbeitet zu viel: «Was für ein Leben ist ein Leben ohne Funktion?» Er hält wenig von Administrativkram: «Tools füttern, Häkchen setzen, Reportings schreiben, die Bürokratie alimentieren.» Und er mag das stressige Arbeiten im realen Geschehen: «Er muss spüren, was auf der Strasse passiert, in den Wohnungen, draussen.»

«In der Stadt im Dreck menschlicher Untaten waten», das ist also sein Ding und der Müller Benedikt ein Polizist, der «die Welt ein bisschen besser machen will», mit dem «Strafgesetzbuch als Superkraft». Oder in der für Zehnder typischen Kurzformel: «Polizist = Mensch».

Tja, den Polizistenberuf muss man schon machen wollen, denn: «Auch diese Stadt lebt nach der müllerschen Drei-i-Regel: ‹Irgendwas ist immer.›» Ein herrenloser Koffer auf der SBB-Passerelle, eine Einbruchserie im Neubadquartier, Polizisten, die keine sind, ein gewalttätiger Partner im Gundeli wegen eines feuchten Putzschwamms. Oder eben Hass und Hetze an Hauswänden und in den sozialen Medien gegen den Cheftrainer des besagten SCB, ein Traditionsverein, der seit Jahren in der Super League spielt, nur einmal Cupsieger war und nie Schweizer Meister und wieder mal «hyperunterirdisch gespielt» hat, so ein Mitarbeiter von Müller.

Vor der Winterpause spurlos verschwunden

Aus Zehnders multiperspektivischem Erzähler sprudelt es nur so heraus. Da wird beschrieben und erzählt und erklärt und kommentiert, was das Zeug hält. Und zwar weit über das Fussballthema hinaus – das Big Business, das den beliebten «Volkssport» kaputt gemacht habe. Der Mannschaftssport, der unsere Herzen nach wie vor höher schlagen lässt. Oder: «Fussball verleiht dem Baselstab Glanz.»

Deshalb ist der Krimiplot im Buch im Grunde gar nicht so wichtig, auch wenn etwas Sex and Crime natürlich nicht fehlen dürfen. Denn was soll schon sein, wenn der norddeutsche Cheftrainer des SC Basel, der als korrekt und kompetent beschrieben wird, nach dem letzten Übungsspiel vor der Winterpause spurlos verschwindet?

In «Müller und die Schützenmatte» erfahren wir, wie in dem im Vergleich zu Zürich unaufgeregten, ja, provinziellen Basel doch «einiges zusammenkommt: Hässliches, Unerfreuliches, Trauriges, Tragisches». Dass wir nachts trotzdem ruhig schlafen können, verdanken wir dem Müller Benedikt und den Polizeipatrouillen zwischen Gross- und Kleinbasel.

Raphael Zehnder: «Müller und die Schützenmatte». Emons Verlag, 250 Seiten.

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