Kunst im Öffentlichen

Babylonischer Schutzdämon mahnt auf Trafalgar Square zum Frieden

Der US-Konzeptkünstler Michael Rakowitz hat für den vierten Sockel am Trafalgar Square die Skulptur "The Invisible Enemy Should Not Exist" geschaffen. Sie ist eine Nachbildung von einem Standbild, das 2015 von ISIS zerstört wurde und besteht aus 10'500 leeren Dosen von irakischem Dattelsirup.

Der US-Konzeptkünstler Michael Rakowitz hat für den vierten Sockel am Trafalgar Square die Skulptur "The Invisible Enemy Should Not Exist" geschaffen. Sie ist eine Nachbildung von einem Standbild, das 2015 von ISIS zerstört wurde und besteht aus 10'500 leeren Dosen von irakischem Dattelsirup.

Ein babylonischer Schutzdämon aus 10'500 leeren irakischen Dattelsirup-Dosen steht jetzt auf dem Trafalgar Square in London als Mahnmal gegen Krieg und die Zerstörung von Kulturgut.

Die 4,5 Meter hohe Replik eines Lamassu - eine Figur mit Stierkörper, Flügeln und menschlichem Kopf - wurde am Mittwoch als jüngstes Kunstwerk auf dem vierten Sockel des zentralen Platzes enthüllt. Der glitzernde Koloss mit dem Titel "The Invisible Enemy Should Not Exist" ist das Werk von US-Künstler Michael Rakowitz.

Das fast 3000 Jahre alte Lamassu-Original war - wie viele andere Kulturgüter - 2015 von der Terrormiliz Islamischer Staat im Irak zerstört worden. Die aus Stahl und bunten Sirupdosen gefertigte Replik soll den vierten Sockel bis 2020 zieren.

Für Rakowitz, der irakisch-jüdische Vorfahren hat, ist das Projekt zugleich eine Mahnung gegen den Krieg und ein Symbol der Hoffnung. Seine Skulptur werde angesichts der weltweiten Flüchtlingsströme wie ein Spuk über dem Trafalgar Square schweben.

Zugleich aber seien Datteln in Teilen des Irak ein Zeichen der Hoffnung. Sie würden neu geborenen Babies in den Mund gelegt, um ihr Leben zu "versüssen", sagte der 44-jährige Künstler bei der Enthüllung. Nicht nur die Dattelindustrie, für den Irak einst so wichtig wie die Zigarren für Kuba, sei durch den Irak-Krieg zerstört worden, sondern auch Kulturgut, Umwelt und - vor allem - Menschenleben, betonte Rakowitz.

Der ehemals leerstehende vierte Sockel wird seit 1999 in zweijähriger Rotation im internationalen Wettbewerb für die Präsentation zeitgenössischer Kunst genutzt. Die Skulpturen werden nach Schätzung des Londoner Bürgermeisters Sadiq Khan täglich von rund 40'000 Menschen wahrgenommen.

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