Eine Stunde lang eiern wir rum in diesem Film. Dann kommt die trällernde Zusammenfassung: «Lass uns Drogen nehmen und rumfahren» von der Band Die Zukunft. Wobei: Diese Zusammenfassung stimmt nicht ganz, denn erstens handelt «Magical Mystery» nicht von Zukunfts-Trällerpop, sondern von deutschem Techno aus den Neunzigern. Und zweitens ist die Hauptfigur Karl Schmidt ein «trockener Ex-Irrer». Sozialfall. Zwangsernüchtert. Und unzumutbar für die Gesellschaft.

Moment. War Karl Schmidt nicht jene Elektrolyten-fixierte Nebenfigur in Sven Regeners Roman- und Filmerstling «Herr Lehmann»? Genau. Aber in «Magical Mystery» gibts keinen Herr Lehmann mehr, sondern nur noch diesen derangierten Karl. Der wird jetzt von Charly Hübner gespielt und nicht mehr von Detlev Buck, der stattdessen in «Magical Mystery» einen stinkreichen Plattenlabel-Boss mimt und Karl einlädt, seine DJ-Kollegen für eine Clubtour durch Deutschland zu chauffieren.

Heilloses Durcheinander

Alles klar? Nun ja, so ist der ganze Film: ein heilloses Durcheinander. Was hat sich Autor Sven Regener bloss dabei gedacht? Nun, der deutsche Tausendsassa entwirft wie so oft ziemlich merkwürdige Charaktere, die er dann irgendwann sich selbst überlässt. Dass diese gutmütigen Landplagen alle kurz vor oder nach 1989 durch Deutschland gurken, kann Absicht sein. Oder auch nicht.

Irgendwie Zufall ist es auch, wenn in «Magical Mystery» zwei Meerschweinchen der Techno-DJs auf Clubtour müssen. Als einer der quiekenden Vierbeiner den Geist aufgibt, hält Karl eine Grabrede vor versammelter Entourage: «Ein Tag, den man mit Tiere füttern anfängt, ist kein verlorener Tag.» Und: «Dieser ganze Magical-Mystery-Quatsch, Beatles hin, Liebe her, das ist eigentlich Irrsinn.» Und: «Ihr seht mittlerweile alle ziemlich scheisse aus. Aber es ist gut, dass wir das machen, weil hier jeder dabei sein kann. Sogar ein Meerschweinchen. Und auch ein Ex-Irrer wie ich.»

Ja, so ist das, wenn Regeners Figuren reden. Es geht zack-zack, hin und her, in Zeitlupe. Die Figuren haben alle einen Schaden, aber niemand ist da, der das reparieren könnte. Weder Regisseur Arne Feldhusen noch Drehbuchautor Regener, der lieber Episode an Episode reiht, in der Hoffnung, irgendwer kaufe ihm diese zu zeittypischen Vignetten stilisierten Banalitäten ab. Hätte ja funktionieren können. In «Magical Mystery» tut es das nicht.

Magical Mystery (D 2017) 111 Min. Regie: Arne Feldhusen. Jetzt im Kino.