Kultur

Auf Schloss Brunegg ist Pfingsten im Oktober – dank des Musikfestivals

Daniel Schnyder: Saxofonist und Komponist.

Daniel Schnyder: Saxofonist und Komponist.

Der Festivaltitel «Ludwig van Schnyder» ist ziemlich frech, aber Saxofonist Daniel Schnyder erfindet Ludwig van Beethovens Streichquartette für das Pfingstfestival Brunegg neu.

Nun findet es doch noch statt, das Pfingstfestival auf Schloss Brunegg. Vom 1. bis 4. Oktober nimmt es der Saxofonist und Komponist Daniel Schnyder mit Ludwig van Beethoven auf, dessen Streichquartette im Zen­trum stehen.

Daniel Schnyder ist ein Kosmopolit. Der Schweizer lebt in New York City, wo er als Musiker und Komponist sehr erfolgreich ist. In jüngster Zeit wurde dort seine Oper über die Jazzlegende Charlie Parker gleich an mehreren grossen Häusern gespielt. Schnyder tourt aber auch regelmässig in Europa und in der Schweiz, hier hat er viele Künstlerfreunde.

Einer davon ist Jürg Dähler, der Intendant des Pfingstfestivals auf Schloss Brunegg, der als Bratschist einige Stücke von Schnyder mit uraufgeführt hat. So kommt es, dass sich Schnyder exklusiv für das Brunegger Musikfestival mit dem Giganten Ludwig van Beethoven auseinandersetzt. Vor grossen Namen der Musikgeschichte hat Schnyder keine Angst, sie sind vielmehr eines seiner Markenzeichen. Auch andernorts hat er als Composer in residence Themen wie «Händel in Harlem» oder «Mozart in Manhattan» spielerisch witzig umgesetzt.

Improvisation verbindet Beethoven und Schnyder

Dennoch: Im Brunegger Festivaltitel «Ludwig van Schnyder» Beethovens Vornamen zu tragen,ist ganz schön verwegen. «Das war nicht meine Idee», meint Schnyder schmunzelnd, «aber es passt, weil dabei zwei Komponisten aufeinandertreffen. Was mich hauptsächlich mit dem Wiener Klassiker verbindet, ist die Improvisation, Beethoven war ein genialer Improvisator. Deshalb möchte ich gegen den tierischen Ernst vorgehen, mit dem man Beethoven heute begegnet.»

Und das ausgerechnet in Bezug auf dessen Streichquartette! Das Streichquartett ist eine urklassische Form, auch Schnyder nennt es die Königsgattung des Komponierens: «Wenn man für Orchester schreibt, kann man auch viel mit den Klangfarben bewirken. Nicht so im Streichquartett, da muss man sich formal und kontrapunktisch viel einfallen lassen. Es ist unglaublich, wie Beethoven stets mit neuen Einfällen überrascht.» Auch Schnyder hat sechs Streichquartette komponiert, eines kommt auf Schloss Brunegg zur Aufführung: das Streichquartett Nr. 4 «Great Places» (So, 16 Uhr).

Schnyder reflektiert Beethoven

An Beethovens Musik fasziniert Schnyder die dramatische musikalische Entwicklung, andererseits seine Kompositionstechnik mit Gegensätzen, sei das laut/leise oder langsam/schnell. In seinen Kompositionen zitiert Schnyder Beethoven nicht, sondern reflektiert über dessen Art des Komponierens. So auch in seinem neuen Stück «Beethovens Big Birthday Bash» – kurz «BBBB» – für Streichtrio und Saxofon, das er eigens für Brunegg geschrieben hat (Sa, 19.30 Uhr). Es sei wegen des Saxofons wie ein humorvolles Grusswort an den Meister, so Schnyder.

Die Gast-Quartette haben eine doppelte Aufgabe

Auf Schloss Brunegg spielen namhafte Ensembles wie das Belenus Quartett, das Winterthurer Streichquartett, das Galatea und das Merel Quartett. Sie müssen sich nicht nur auf die anspruchsvollen Streichquartette Beethovens konzentrieren, sondern sich zudem auf Schnyders improvisatorischen Geist einlassen.

Das Belenus Quartett wagt sich an Schnyders Jazz-Suite für Saxofon und Streichquartett (Fr, 19.30 Uhr). Wie viel ist da notiert, wie viel improvisiert? «Der Fokus liegt auf der Improvisation», erläutert Schnyder, «auch wenn der Quartett-Satz ausgeschrieben ist. Ich spiele das Saxofon dazu, teils ist die Partie ausgeschrieben, teils improvisiert. Dabei reflektieren wir über ein Thema Beethovens und über die von ihm verwendeten Harmonien. Schnyders musikantische Lust steckt an.

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