Kolumne

«Auf ein Wort»-Kolumne: Wieso selbst die Badewanne lateinischen Ursprungs ist

Wanne kommt vom lateinischen vannus.

Wanne kommt vom lateinischen vannus.

Die Mundartkolumne von Niklaus Bigler diesmal zu Vokabular aus dem Landwirtschaftsbereich, das heute nicht mehr vielen Leuten geläufig ist.

Früher wurde erst im Winter gedroschen. Man warf die Garben vom Garbenboden (Reiti, Brügi, Oberte) hinunter in die Tenne (Tenn, Tern, Tänn) und bearbeitete die Ähren mit dem Pflegel, Flegel. Dann räumte man das Stroh weg, und der entstandene Haufen aus Körnern und Spreu musste geputzt werden.

Dazu diente seit der Römerzeit die Wanne, das war ein flacher, ovaler Korb aus Weidengeflecht. Man schleuderte deren Inhalt so lange in die Höhe, bis nur noch die Körner, von der Spreu getrennt, darauf lagen. Das Wort Wanne ist mit dem Gegenstand entlehnt aus lateinisch vannus, und alle späteren Wannen, auch die Badewannen aus Blech, gehen letztlich auf diesen besonderen Korb zurück.

Ein weiterer Arbeitsschritt war das Aussieben von Unkrautsamen. Das dazu verwendete runde Gerät hiess nicht Siib wie für Milch oder Mehl, sondern Riitere, Rüütere (althochdeutsch rītera).

Der Unterschied liegt in der geringeren Feinheit des Siebes: Bei der Riitere fallen die feinen Samen durch, und die Getreidekörner bleiben zurück. Eine Schulklasse dur d Riiteren ab loo bedeutete eine Prüfung; die schwachen Schüler fielen buchstäblich durch.

Schon im 18. Jahrhundert kauften sich grössere Bauern eine Maschine mit hölzernem Gehäuse und Handkurbel für das Putzen des Getreides. Unterhalb des Einfülltrichters werden Siebe hin und her gerüttelt, und ein hölzernes Windrad bläst den Güsel fort. Dieser Apparat heisst Rönnle, Röndle oder Ren(d)le; man findet ihn noch oft in Museen. Von einem, der ständig redete, sagte man Er het es Muul wien e Röndle, und ein altes Auto nannte man abschätzig Bläächröndle.

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