Kolumne

«Auf ein Wort»: Den Löwenzahn nennt man auch heute noch ...

Mundartexperte: Niklaus Bigler.

Mundartexperte: Niklaus Bigler.

Die Mundartkolumne von Niklaus Bigler diesmal zu den über 60 verschiedenen Bezeichnungen für die Löwenzahnpflanze, die man im Dialekt auch heute noch verwendet.

Jedes Frühjahr faszinieren mich die Blüten des Löwenzahns mit ihren Entwicklungsstadien von der Knospe über die gelbe Halbkugel bis zu den filigranen Fallschirmli. Der alte botanische Name Dens leonis wurde in einer Zeit geprägt, als man in Europa die Löwen nur aus Büchern kannte.

So beruhen denn unsere volkstümlichen Namen auf anderen Vorstellungen. Es braucht nämlich keine exotische Katze für den Vergleich mit den grob gezahnten Blättern, ein einheimischer Raubvogel genügt: Weifäck(t)e sagt man im Gebiet zwischen Solothurn und Brugg sowie im oberen Baselbiet.

Nördlich des Juras heisst die Pflanze auch Sunnewirbel; man vergleicht also die Blüte mit der Sonne. Die in der Nordostschweiz belegten Namen Milchblueme, Milchligstock beziehen sich auf den weissen Pflanzensaft.

Selten ist sie nun wirklich nicht, die Löwenzahnpflanze.

Selten ist sie nun wirklich nicht, die Löwenzahnpflanze.

Ein weiteres Benennungsmotiv ist das Zusammenhängen der Blütenröhrchen durch spielende Kinder: Chetteneblueme, -stock sagt man in der Nordschweiz (namentlich Zürich und Thurgau); im unteren Baselbiet heisst es Chettenestuude.

Was der Löwenzahn mit den Kröten zu tun hat, weiss man allenfalls im südwestlichen Kanton Zürich, wo es Chrotteblueme oder -pösche heisst. Dann gibt es noch ein grosses südliches Gebiet (Freiburg-Luzern-Chur) mit Söiblueme, Söitätsch oder Schwiinblueme: Dass die Schweine den Löwenzahn mit Kraut und Stiel gerne verzehren, ist unbestritten. Da habe ich jetzt ein paar wenige Bezeichnungen aufgezählt; im Sprachatlas gibt es etwa 60 davon.

Übrigens heisst das Löiemüüli in Österreich, wo heraldische Tiere sonst ziemlich wichtig sind, schlicht und einfach Froschgoscherl.

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