Es ist eine der schönsten Szenen des Films: Sie wird nicht zum Tanzen aufgefordert, na und? Die junge Astrid hält es nicht mehr auf dem Stuhl. Sie mischt sich unter die Paare und tanzt ausgelassen. Die Szene spielt auf einem Tanzfest in Småland, wo die geliebte schwedische Kinderbuchautorin Astrid Lindgren (1907–2002) auf einem Hof nahe der Ortschaft Vimmerby ihre Kindheit und Jugend verbrachte.

Gegen Ende des Films gibt es nochmals eine Tanzszene, diesmal an einer Firmenfeier in Stockholm. Astrid tanzt genauso ausgelassen, trinkt aber eine Menge, aus Kummer und Sorge um ihren Sohn Lasse. Mit neunzehn Jahren, 1926, ist Astrid Mutter geworden. Das Kind hat sie heimlich in Kopenhagen zur Welt gebracht und in die Obhut einer Pflegemutter gegeben.

Prägender Lebensabschnitt

Die dänische Regisseurin Pernille Fischer Christensen («En familie») widmet ihren Spielfilm «Astrid» einer wenig bekannten, aber umso prägenderen Erfahrung im Leben von Astrid Lindgren. Für die spätere Schriftstellerin war sie mindestens genauso viel Inspiration wie ihre unbeschwerte Kindheit.

Sie hat sehr wohl schon als Kind glänzende Aufsätze geschrieben und als Praktikantin für die Ortszeitung gearbeitet. Sie hat sich aber auch in den noch verheirateten Chefredaktor Reinhold Blomberg verliebt, wurde von ihm schwanger und liess sich in Stockholm zur Sekretärin ausbilden, um die Schwangerschaft geheim zu halten.

Vorbild in einer restriktiven Zeit

Sie wäre eher gestorben, als Blomberg zu heiraten, sagte Astrid Lindgren in einem späten Interview. Es ist eine Emanzipationsgeschichte, die Fischer Christensen in ihrem Film erzählt, unaufgeregt, in zurückgenommenen Farben und mit einer glänzenden Alba August (Tochter von Regisseur Bille August) in der Hauptrolle. Bemerkenswert ist auch der Umgang mit den Kinderdarstellern.

Geborgenheit und Freiheit, das ist es, was ihre Eltern ihr gegeben haben. Und genau das wünscht sich Astrid auch für ihren Sohn Lasse. Sie kämpft um ihn und gegen gesellschaftliche Konventionen. «Es gab viele andere Frauen», so die Regisseurin, «die ihr Kind in Dänemark zur Welt brachten und es nie wieder gesehen haben.»

Astrid (SWE/DAN 2018) 123 Min. Regie: Pernille Fischer Christensen. Ab Donnerstag, 6.12., im Kino.  ★★★★✩