Als Alice Merton Ende 2016 ihren Song «No Roots» veröffentlicht, ahnt sie nicht, dass es der Urknall ihrer Karriere ist. Der Song läuft in Werbespots eines Mobilfunkanbieters, steigt in die US-Charts ein und bringt die in Berlin lebende Merton in die Late-Night-Shows von Jimmy Fallon und James Corden. Dazu kommen mehrere Musikpreise.

Mit dem Ohrwurm, der sich auf ihrem Album «Mint» befindet, ging Merton damals auf volles Risiko: Nachdem die grossen Plattenfirmen an dem Song rumnörgelten, gründete Merton mit ihrem Manager ihr eigenes Label. Der Plan ging auf. Auch ihr Album produziert die heute 25-jährige Songwriterin in Eigenregie.

«Das macht mich sehr stolz. Ich habe das Gefühl, dass es keinen grossen Druck gibt. Da ist niemand oben, der darauf achtet, wie gut das Album läuft», sagt sie. «Ich bin sehr selbstkritisch. Aber ich habe gelernt, dass man vieles nicht erzwingen kann. Man kann nicht planen, ob ein Song zum Hit wird. Darum muss man einfach die Musik machen, auf die man stolz und die ehrlich ist.»

Auf den elf Songs beschäftigt sich Merton vor allem mit ihrem bewegten Leben. Sie wird in Frankfurt am Main geboren, wächst in der kanadischen Provinz auf und zieht als 13-Jährige mit ihren Eltern nach München. Dort besucht sie direkt ein Gymnasium, obwohl sie kaum Deutsch spricht.

«Ich fand es schwierig und habe mich oft einsam gefühlt. Wenn du nicht viel verstehst, ist es auch nicht einfach, gute Noten zu bekommen.» Schon «No Roots» handelt davon, sich nirgendwo zuhause zu fühlen. In «Homesick» erinnert sich Merton an schmerzhafte Erfahrungen aus der Kindheit und Jugend.

Musikalisch bleibt die Echo-Gewinnerin ihrem Stil treu, verpackt nachdenkliche Texte in positive Up-Tempo-Nummern und nutzt E-Gitarren, Bässe und Drums. Ihre Liebe zur US-Rockband The Killers ist unverkennbar. (SDA)