Wie fühlt sich das an, wenn man einer Halle, die man lieben gelernt hat, mit Axt und Stemmeisen zu Leibe rückt? Einer Halle, in der man bei Auftritten oder als Zuschauerin gebibbert und mitgefiebert, geschwitzt oder gefroren hat? Das wollte eine Gruppe um Elias Kurth und Anouk Gyssler wissen.

Junge Kulturschaffende, die sich seit gemeinsamen Aarauer Schulzeiten in den langen Jahren der Planung und Zwischennutzung hier immer wieder theatralisch oder performativ betätigten. Sie luden dazu ein, «die Raumtransformation gemeinsam zu beginnen. Und zwar nicht mit grossen Maschinen, sondern mit Schaufeln und Schweiss».

«Broken Spaces Are More Likely» taufen die Fans von alten Räumen und ihrer Verwandlung ihre Aktion. Am Mittwochabend war Start. Am Sonntag wird mit dem Abbruch der Offiziersbrücke als Performance von Elias Kurth der Schlusspunkt gesetzt. Da die Halle sanft renoviert wird, geht es nicht um einen brachialen Gesamtabbruch: Nur Teile der hölzernen Wandverkleidungen und der provisorisch eingezogene Boden müssen weichen. Damit das arbeitswillige Publikum nicht überbordet, sind die freigegebenen Bereiche mit weissen Rahmungen dekorativ markiert. Arbeit ist genug vorhanden.

Emotionales Werken

Der erste, der die «Bestätigung der Unterweisung nach § 4 der Unfallverhütungsvorschrift» unterschrieb, war Bau-Stadtrat Hanspeter Thür. Sauber aufgereiht stehen Sicherheitsschuhe, Helme, Handschuhe und Werkzeug bereit. Das Brecheisen wählte der Stadtrat, um der Wandbekleidung den Garaus zu machen. Mit Erfolg. Dass er danach die Planken von den rostigen Nägeln befreite – «man kann die noch brauchen» –, macht einem grünen Politiker alle Ehre.

Weil der Andrang am Mittwoch gering war, machte sich auch die Schreibende nützlich. Manche Bretter leisteten dem Stemmeisen Widerstand, sodass man bald mit voller Kraft am Werk war, andere Teile brachen samt den morschen Balken altersmüde von den Wänden. Auch das Team mit Anouk Gyssler, Elias Kurth, Jacob Ingramm-Dodd, Daniel Steiner und Noah Schweizer schritt zur Tat.

In der geisterhaft ausgeleuchteten Halle wurde erst kühl, später emotional und mit immer mehr Eifer abgebrochen und aufgehackt. Als dann eine Bodenplatte mit vereinten Kräften entfesselt war, entdeckte man darunter die alten Holzschnipsel, auf denen jahrzehntelang die Pferde getrabt waren.

So fleissig wie abgebaut wurde, wurde fotografiert und gefilmt – und sinniert. Anouk Gyssler zeichnet in Sprache und Bild die Veränderungen der Halle und die Gefühle ihrer Benutzer und Besucherinnen für eine Publikation auf. Für Elias Kurth ist es die Inspiration für seine tänzerischen Performances. Auch während der Bauzeit soll zweimal eine Aktion auf der Baustelle stattfinden.