Schweizer Bands
Laddermen und Kush K lassen die Erde etwas langsamer drehen

Einmal schwebend und einmal kantig: Zwei neue Platten von den Schweizer Bands Kush K und Laddermen verdienen sich die Aufmerksamkeit.

Michael Graber
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Kush K versetzen mit ihrer luftigen Musik beinahe in hypnotische Zustände

Kush K versetzen mit ihrer luftigen Musik beinahe in hypnotische Zustände

Ottilia Szabo

Wie schnell die Welt dreht, ist erst durch komponierte Langsamkeit deutlich zu spüren. Kush K bremsen ihre Songs zuweilen bis zum Stillstand runter. Und genau darum nehmen wir die Lieder auch so intensiv auf. Sie fliessen in die Ohren und lassen uns wegschweben. Gemächlich driftet man über die Landschaften, verfolgen Bäche, die zu Flüssen werden, und geniessen den Space so nahe über dem Boden. «Your Humming» heisst das sanft gleitende Raumschiff, das Kush K gebaut haben. Es ist nach «Lotophagi» (2020) die zweite Platte der Band. Sie schafft es erneut, dass die Dinge bei grosser Musikalität leicht und luftig wirken. Die fünf Musikerinnen und Musiker machen träumerischen Pop, der auch mal etwas in psychedelische Gefilde abdriftet, aber die Erdung nie verliert.

Im dunklen Sog

«Euphoria» ist von schön schlurfender Glückseligkeit, wie im ersten Bus nach der gelungenen Party. Plötzlich schlängeln sich noch Bläser in die karge Melodie, und in Gedanken taucht am Horizont langsam die Sonne auf. Das Titelstück «Your Humming» dauert fast elf Minuten. Es passiert wenig, doch bei jedem Hören gibt es in der scheinbaren Gleichförmigkeit neue Facetten zu entdecken. Da singt ein leises Chörlein, es rasselt, dann setzt der Gesang ein. Längst ist man gefangen im dunklen Sog dieses Songs.

So klingen Kush K.

Youtube

Catia Lanfranchi, Nicolas Habegger, Pascal Eugster, Paul Amereller und neu Lorraine Dinkel lassen die Klänge ineinanderfliessen, lassen sie passieren. Es wirkt improvisiert und doch immer strukturiert. Alles an ihrem Sound strahlt eine grosse Unaufgeregtheit aus. Sie lassen sich Zeit, um ihre Klanglandschaften zu erschaffen, und suchen nie den Knall. Fast schon hypnotisch sind die sieben Songs. Wohltuend entschleunigt und wunderbar unkonkret. Und vor allem Lanfranchis Stimme strahlt ganz viel Ruhe und Wärme aus. 41 Minuten und elf Sekunden in denen die Zeit etwas langsamer tickt.

Lieder von grosser Dringlichkeit

Bei Laddermen drücken die Gitarren durch den Nebel.

Bei Laddermen drücken die Gitarren durch den Nebel.

PD

Deutlich konkreter und fassbarer sind dagegen Laddermen. Die Band aus Luzern hat soeben ihr Debüt «Special Kind of Violence» veröffentlicht. Punkig gespielter New Wave im Stile von Interpol und Editor. Alles voller Sehnsucht und durchsetzt von Gitarren, die wie Scheinwerfer durch nebelverhangene Tage drücken. Sänger Leopold Oakes legt eine grosse Dringlichkeit in die Songs. Die Lieder haben Drive, ziehen nach vorne und sind knackig. Bei allem Druck schwingt da aber immer auch eine Melancholie mit.

Gerade wenn die vier Musiker innerhalb der Songs Tempo variieren und die Intensität steigern, kommen sie sehr nahe an die grossen Vorbilder heran. «Brave Career Man», «Abigail Was Always Lost» und «Houston Morphine» sind die drei Glanzlichter auf der Platte. Ins Schlussstück «Pauluskirche» (eine Kirche in Luzern) mischen sich Orgelklänge, Sirenen und Polizeifunk. Das ist speziell mit Kopfhörern eine intensive Klangerfahrung. Ein Klavier bringt den Song dann zur Ruhe.

Ein Song von Laddermen.

Youtube

Kush K: Your Humming (BlauBlau Records)
Laddermen: Special Kind of Violence (Waterfall of Colours)

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