1857 war die Japanesengesellschaft, "die Freunde des tollen Lebens", gegründet worden - als Reaktion auf eine missglückte Wirtschaftsmission der Eidgenossenschaft in Japan. Unter dem "Henusode" (dem Kaiser) sorgten etwa der "Gimmermee" für die Finanzen und der "Archivariu" für die Überlieferung. 49 mal führten sie ein Fastnachtsspiel auf und warfen jeweils einen kabarettistischen Blick auf das aktuelle Geschehen - letztmals 2013.

Dann war Schluss. Den Japanesen fehlte der Nachwuchs, sie waren in den letzten Jahren praktisch nicht mehr existent. Doch jetzt hat man sich in einem Kraftakt aufgerafft und versucht mit dem Spektakel "Was ächt Schwyz" aus der Hand von Roger Bürgler einen Neuanfang. Auf den prächtigen Grossaufmarsch des japanesischen Hofstaates mit seinen beeindruckenden, kostbaren Kostümen müssen die Zuschauer jedoch verzichten.

Neid, Gier, Missgunst

Wie der letzte Mohikaner steht ein Japanese - sein letzter Mitstreiter wurde eben entsorgt - auf der Freilichtbühne und erinnert an die gute alte Zeit. Aber manchmal, so ist im Verlaufe des Abends zu hören, muss etwas sterben, damit Neues entsteht. Wie dieses Neue aussieht, ist allerdings wenig klar, noch herrscht unter den Schwyzern ein chaotisches Jekami, gespeist aus Neid, Gier, Missgunst und Egoismus.

In diesen Szenen mit Lokalkolorit wird auf allen Milieuebenen getratscht und geklatscht. Gelegenheit, allerlei Vorkommnisse vor allem auf kommunaler und kantonaler Ebene aufzunehmen: Dabei werden neben den Behörden auch die Parteien (und Leserbriefschreiber) ins Visier genommen. Das Publikum scheint's zu kapieren, wie die Lacher und der Applaus an der Generalprobe bewiesen.

Kein Platz für Trump-Verschnitt

Zu den Ratgebern für ein auf blühendes Schwyz zählt auch ein Grossmaul von jenseits des Atlantiks. Umgeben von seinen Leibwächtern - kleinen "Blues Brothers" - will er Schwyz "great again" machen. "I have a plan for the beautiful little place in the heart of Switzerland". Aber davon wollen die Einheimischen dann doch nichts wissen und jagen den "grosskotzigen Laferi" in die Flucht.

Die Schwyzer dagegen werden daran erinnert, dass sie nur weiter kommen und Erfolg haben, wenn sie den kleinkarierten Individualismus, bei dem es immer nur ums liebe Geld geht, überwinden und wieder zusammenstehen.

Psychedelische Effekte vor Pfarrkirche

Spektakulär an diesem Fasnachtsspiel sind vor allem die farbigen, zuweilen psychedelischen Illuminationen, die die Zürcher Künstlerin Brigitte Roux an die barocke Schwyzer Pfarrkirche projiziert. Dazu kommen eine schmissige Musik einer Live-Band sowie Tanz- und Gesangseinlagen - phasenweise bekommt man ein richtiges Musical vorgesetzt. Auch die Kostüme sorgen für unterhaltsame Abwechslung. Das ganze Spektakel dauert rund eine Stunde und bleibt damit - auch bei winterlichen Abendtemperaturen - für Augen, Ohren, Gemüt und Geist verkraftbar.

Gegen 500‘000 Franken wurden für die Produktion mit fast 100 Mitwirkenden, davon 30 auf der Bühne, aufgewendet. Acht Mal geht das Spiel unter der Regie von Urs Kündig bis zum 3. März über die Bühne auf dem Schwyzer Hauptplatz. Unter einem schützenden Dach finden 600 Personen Platz. Der Vorverkauf liege über den Erwartungen, liessen die Organisatoren verlauten. Ob der Neuanfang auch eine neue Tradition von Schwyzer Fasnachtsspielen initiiert, wird die Zukunft weisen.