Überall im Aargau werden Kulturveranstaltungen durchgeführt. Ein Blick in den Veranstaltungskalender zeigt eine Vielfalt und Dichte. Eine repräsentative Umfrage zeigt nun: 86 Prozent der Aargauerinnen und Aargauer sind zufrieden mit dem Agebot. 32 Prozent gar sehr zufrieden (das sind 9 Prozent mehr als noch 2009).

Wünschten sich bei der vergleichbaren Umfrage 2009 noch 8 Prozent der Leute ein breiteres Musikangebote, so scheint das Publikum heute fast wunschlos glücklich. Bis auf 4 Prozent, die mehr Kultur für Jugendliche richtig fänden.

Kommt dazu, dass die Aargauerinnen und Aargauer heute das Kulturangebot besser kennen, auch wenn sie bei einer spontanen Nennung Kunsthaus, KiFF, Langmatt oder Argovia Philharmonic weniger präsent hatten. Bei Nachfrage aber war klar: Die meisten Institutionen sind mehr als der Hälfte des Publikums ein Begriff.

Diese Ergebnisse präsentierten Kulturvorsteher Alex Hürzeler, Kulturchef Thomas Pauli und Kuratoriums-Präsident Rolf Keller am Samstag am «Kultur-Forum» in Windisch. Die Bilanz ist nicht nur Selbstbestätigung, sondern auch Auftrag. Denn bei der Einführung des revidierten Kulturgesetzes 2010 wurde das Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS) verpflichtet, einen Wirkungsbericht zu erarbeiten. Die Publikumsbefragung ist Teil der externen Analyse.

Schlusslicht Aargau

Ernüchternder als die Publikumsbefragung ist ein interkantonaler Vergleich. Der Aargau dümpelt seit 2009 mit seinen Kulturausgaben pro Kopf lediglich an 21. oder 22. Stelle. Ob diese Tatsache dazu geführt hat, dass das Label «Kulturkanton» bei der Bevölkerung dermassen stark verloren hat?

Kannten 2009 noch 91 Prozent der über 54-Jährigen den Slogan, sind es heute unter den Jungen gerade noch 27 Prozent. Thomas Pauli fragte: «Soll man den Begriff sterben lassen oder – im Gegenteil – wieder propagieren und stärken?»

Ziel und Aufgabe des Forums war es nicht, über Labels nachzudenken, sondern über die Zukunft. Rund hundert Leute aus der Szene, vorwiegend Vertreter von Kulturinstitutionen und Fördergremien, waren dazu eingeladen. Denn ergänzend zum rückwärts gerichteten «Wirkungsbericht» will Hürzeler dem Regierungsrat ein «Kulturkonzept 2017–2022» vorlegen.

Wo besteht Handlungsbedarf? Auf welche gesellschaftlichen Veränderungen soll die Kultur wie reagieren? Wobei Alex Hürzeler schon vor der Diskussion klarmachte: «In diesen finanziell angespannten Zeiten ist die Förderung von Neuem nur durch Verzicht bei Bestehendem möglich.»