Eine eigentliche Aargauer Jazzszene gibt es nicht. Immerhin hat sich das Festival Jazzaar über die Jahre zu einem ersten Bezugspunkt für jazzaffine Talente entwickelt. Viele heute etablierte Schweizer Jazzmusiker haben hier erstmals Jazzluft geschnuppert. So auch der Saxofonist Reto Anneler sowie die Geschwister Christoph (Tenorsax) und Corinne Huber (Gesang). In dieser Woche präsentieren sie ihre neusten Projekte.

Der 40-jährige Reto Anneler gehört zur ersten Generation von Jazzaar. Er studierte Jazz an den Musikhochschulen Luzern und Amsterdam und ist heute ein gefragter Sideman bei Keller’s «10», Sinatra Tribute Band, Neele & the Sound Voyage und dem Peter Eigenmann/Ken Cervenka Nonet. Der formidable Blattleser ist zudem Lead-Altist im Zurich Jazz Orchestra. Hier hat er auch den Zürcher Tenorsaxofonisten Christoph Grab kennen gelernt, den er für seine neue, eigene Band «Stille Post» gewonnen hat. «Wir ergänzen uns sehr gut», sagt Anneler. Die Dialoge über den groovenden Kompositionen des Bandleaders gehören denn auch zu den Höhepunkten des Projektes: Hier das gediegene, klare und souveräne Alto von Anneler, dort das etwas ungestümere, erdige Tenor von Grab. Reto Anneler hat alle Stücke für seine Stille Post komponiert. Das ist groovender, zupackender, hochklassiger und aktueller Jazz ohne Bindestrich.

Youtube: Reto Annelers "Stille Post" (Album-Trailer)

Reto Anneler ist ein Unikum in der Schweizer Jazzszene. Neben seiner Musiziertätigkeit ist er als Sportlehrer in einem Teilpensum an der Bezirksschule Lenzburg angestellt. Hier, im Turnunterricht in Lenzburg, hat er auch Christoph Huber kennen gelernt. Der 29-jährige Tenorsaxofonist hat wie auch seine zwei Jahre ältere Schwester Corinne einen anderen Weg eingeschlagen. Er hat in den USA studiert und einige Jahre auch in New York gelebt.

Transatlantische Erfahrungen

Dorthin ist ihm 2016 auch seine singende Schwester zusammen mit dem Pianisten Michael Haudenschild gefolgt. Corinne Huber verfügt über eine warme Stimme, die sie mit oder ohne Lyrics einsetzt. In ihrem halbjährigen Studienaufenthalt hat sie den Schlagzeuger Angelo Spampinato und den phänomenalen Trompeter Philip Dizack kennen gelernt und in den Bunker-Studios unter dem Bandnamen Roiin Stücke für ein Album aufgenommen. Eigenkompositionen, die lyrische Momente mit roher Energie verbinden.

Inzwischen sind beide Hubers wieder zurück in der Schweiz, haben sich in der Schweizer Jazzszene etabliert und können mit der Musik und den zahlreichen Bandprojekten ihren Lebensunterhalt verdienen. In der nächsten Woche kommt es in der Schweiz zu einer Reunion der amerikanisch-schweizerischen Band. Denn Roiin haben sich für den «Transnational Contest» im Berner Club BeJazz qualifiziert und treten dort gegen zwei andere transnationale Bands an. Gleichzeitig präsentiert die Band die in New York aufgenommenen Stücke auf CD und tritt auch in der Pianolounge in Aarau sowie in Schaffhausen auf.