Eigentlich ist der brasilianische Filmemacher José Padilha ein Garant für Nervenkitzel. Bezeugen kann das, wer seine beliebte Netflix-Serie «Narcos» über den kolumbianischen Drogenboss Pablo Escobar gesehen hat. Oder seinen Kinofilm «Tropa de Elite» über eine Spezialeinheit der Militärpolizei in Rio de Janeiro. Spannung pur!

In seinem neuen Kinofilm «7 Days in Entebbe» stellt er nun den Air-France-Flug 139 von Tel Aviv nach Paris nach, der im Juni 1976 von deutschen und palästinensischen Terroristen gekapert wurde — mit dem Ziel, die Freilassung von 53 in Israel inhaftierten Palästinensern zu erwirken. Die Entführer landeten die Maschine damals in Entebbe, der ehemaligen Hauptstadt Ugandas – wo eine Woche später den israelischen Streitkräften eine aufsehenerregende Befreiungsaktion gelang. Keine Frage: Es ist ein Stoff, der Thriller-Spezialist Padilha wie auf den Leib geschnitten ist. Ausgestattet mit einem Hollywoodbudget und mit internationalen Schauspielstars wie Daniel Brühl und Rosamund Pike konnte gar nichts schiefgehen, oder? Von wegen.

In Berlin ausgepfiffen

Als «7 Days in Entebbe» Mitte Februar an der Berlinale – wo Padilha 2008 für «Tropa de Elite» noch den Goldenen Bären gewonnen hatte – uraufgeführt wurde, wurde der Film ausgepfiffen. Auf der Internetplattform RottenTomatoes.com, die den Anteil positiver Kritiken misst, kommt der Film auf katastrophale 22 Prozent. «Oberflächlich», urteilte die «New York Times», «schwerfällig» der «Guardian» und gar von «ekelerregend» sprach die «FAZ». «7 Days in Entebbe» ist ein Film, bei dem so ziemlich gar nichts zusammenpasst. Wie kommts?

Padilha ist zwar ein Experte, wenn es darum geht, Schiessereien und Verfolgungsjagden zu inszenieren. Aber die eigentliche Spannung resultiert bei ihm üblicherweise aus dem sozialen Ungleichgewicht, das er mit seiner Kamera offenlegt. Ob Cops, Politiker oder einfache Bürger – Padilha erzählt von Menschen, die an den Mühlen eines korrupten Systems zugrunde gehen. Zumindest war das in «Narcos» und «Tropa de Elite» so, und sogar in seinem Remake von «RoboCop», das die wenigen Zuschauer mit einer gehörigen Portion Sozialkritik überraschte.

«7 Days in Entebbe» dagegen wirkt wie ein aufgeblasener, inhaltsloser Actionstreifen. Wenn Brühl und Pike, die im Film Mitglieder der deutschen RAF (Rote Armee Fraktion) spielen, ihre Geiseln nach dem Prinzip Jude oder Nicht-Jude trennen, hinterlässt das beim Publikum ein mulmiges Gefühl. Die Gewissensbisse, die die beiden Protagonisten dabei plagen, kauft man dem Film allerdings nicht ab. Das wirkt ähnlich aufgesetzt wie eine rätselhafte, martialische Tanzchoreografie, die Padilha immer wieder kommentarlos dazwischenschneidet; möglicherweise, um eine tiefere Bedeutungsebene vorzugaukeln. Das Resultat ist unfreiwillig komisch.

Schlimmer noch: Padilha hat es versäumt, seinem Film auch nur einen einzigen Sympathieträger zu geben. Er erzählt den Stoff nicht aus der Sicht der unschuldigen Geiseln, sondern der beiden RAF-Terroristen. Diese ringen zwar mit ihrer Tat. Doch spätestens wenn Brühl und Pike ihre Maschinengewehre selbst Kindern vors Gesicht strecken, wünschen wir ihnen alles andere als ein glückliches Ende.

7 Days in Entebbe (UK / USA 2018) 107 Min. Regie: José Padilha. Ab heute Donnerstag im Kino.