Kultstätte

25 Jahre KiFF: Die Kulturfabrik darf stolz sein, hat aber eine Herkules-Aufgabe vor sich

Co-Geschäftsleiter Oliver Dredge: «Um weitere 25 Jahre bestehen zu können, muss mittelfristig ein neues Gebäude her.»

Co-Geschäftsleiter Oliver Dredge: «Um weitere 25 Jahre bestehen zu können, muss mittelfristig ein neues Gebäude her.»

Die Aarauer Kulturfabrik feiert sich mit einer zweitägigen Geburtstagsfeier und plant einen Neubau am bisherigen Standort. Doch die Zeit eilt, denn bereits 2020 läuft der Mietvertrag aus.

Ein schönes Geschenk zum Jubiläum: Mit 45 900 Besucherinnen und Besuchern hat das KiFF 2015 einen neuen Rekord aufgestellt. So populär war die Kulturfabrik in der Aarauer Telli noch nie. Dabei stimmt auch die Rechnung. «Tiefschwarz», wie Co-Geschäftsleiter Oliver Dredge stolz betont, und sogar die hohen Schulden von 800 000 Franken aus dem Umbau sind heute nahezu abgebaut. In der, vor allem im Finanziellen, äusserst wechselvollen bis turbulenten Geschichte des KiFF keine Selbstverständlichkeit. Doch reden wir nicht davon – Tempi passati.

Wenn das KiFF-Team heute zum zweitägigen Geburtstagsfest lädt, darf es schon ein wenig stolz sein. Der Betrieb ist heute solid aufgestellt und hat sich in den letzten Jahren zu einem mittleren KMU mit 10 Festangestellten, über 50 Teilzeitangestellten und rund 200 Freiwilligen entwickelt. Die Eigenfinanzierung konnte noch einmal von 65 auf 70 Prozent (Vorgabe Kanton: über 50 Prozent) verbessert werden. Auch andere Zahlen sind imposant: Allein in den letzten zehn Jahren wurden über 2000 Veranstaltungen durchgeführt, die von 335 000 Leuten besucht wurden. Das KiFF ist ein offizieller kultureller Leuchtturm des Kantons, eine landesweite Marke, die mit ihrem Programm aus dem Rock/Pop-Bereich den Kanton prägt und weit über die Kantonsgrenzen, teilweise sogar über die Landesgrenzen, ausstrahlt. «Das KiFF ist erwachsen geworden, im Herzen aber jung geblieben», sagt Dredge.

Partys als Cashcows

Zur finanziellen Beruhigung und Konsolidierung hat der gezielte Aufbau von Partyanlässen beigetragen. Sie sind zwar umstritten, da sie nicht förderungswürdig sind, doch dienen sie dem KiFF bewusst als Cashcows, die das Kulturprogramm quersubventionieren. Dazu kommen die Subventionen von Aarau und des Aargaus. Die Stadt steuert heute 381 000 Franken, der Kanton 172 000 Franken Betriebsbeitrag als Kulturleuchtturm und das Kuratorium 300 000 Franken bei. Und das bei einem Aufwand von total 2 800 000 Franken. Dass das Kuratorium in Zeiten des Sparens den Programmbeitrag für das KiFF erhöht, darf als ein Zeichen gewertet werden, dass der Kanton weiss, was er am KiFF hat. Es ist ein erfreuliches Signal, ein Bekenntnis für die Populärmusikkultur in all ihren Schattierungen im Kanton.

Ein Blick in die KiFF-Küche in der Aarauer Telli.

Ein Blick in die KiFF-Küche in der Aarauer Telli.

Und doch ist die Zukunft des KiFF nicht gesichert. Einerseits ist das Mietverhältnis befristet, die Liegenschaft längst baufällig und somit teuer im Unterhalt. Anderseits genügt die Hülle den heutigen Anforderungen im Konzertbereich nicht mehr (produktionstechnische Mängel, Garderobe & WC-Situation, Lüftung u. a.). Nur mit einer grösseren Zuschauerkapazität können langfristig grosse Konzerte und Produktionen überhaupt noch stattfinden und finanziert werden. Eine 800er- bis 1000er-Halle muss her.

10 Millionen für ein neues KiFF

Das weiss man schon seit einigen Jahren, doch die Suche nach einem neuen Standort und einer neuen Bleibe blieb bisher erfolglos. Aktuell kann die Stadt keinen anderen Standort bieten. «Andere Standorte sind wenig realistisch, wenn bis 2020 eine Lösung gefunden werden sollte», sagt der zuständige Stadtrat Hanspeter Hilfiker. Deshalb ist der Mietvertrag mit der Immotelli in der Futterfabrik noch einmal bis 2020 verlängert worden. Doch soll es das KiFF in 25 Jahren noch geben, müssen jetzt die Weichen gestellt werden. Was bleibt? Eine Renovation und ein Ausbau ist keine Option. Zu teuer!

Büne Huber von Patent Ochsner über seine Erinnerungen an 25 Jahre KiFF, Viergang-Menüs aus der Küche und das Schoggimousse namens «Füdlifinger Fritz».

Büne Huber von Patent Ochsner über seine Erinnerungen an 25 Jahre KiFF, Viergang-Menüs aus der Küche und das Schoggimousse namens «Füdlifinger Fritz».

«Um weitere 25 Jahre bestehen zu können, muss mittelfristig ein neues Gebäude gebaut werden», sagt Dredge. Im Vordergrund steht deshalb ein Neubau auf dem bisherigen Areal. Vorstand und Geschäftsleitung sind sich bewusst, dass der Traum eines Neubaus «KiFF2.0» nur mithilfe der öffentlichen Hand verwirklicht werden kann. Gespräche mit der Stadt, dem Kanton und dem Eigentümer Immotelli sind im Gang und verlaufen vielversprechend, Entscheide sind aber noch keine gefallen. «Wir sind daran interessiert, dass das KiFF in Aarau bleibt, und unterstützen die Bestrebungen des KiFF», sagt Hilfiker. Auch der Eigentümer Georg Kunath von der Immotelli sieht den Bedarf des KiFF als gegeben und ist den Plänen «nicht abgeneigt».

Doch die Zeit eilt. Wenn der Neubau im Juli 2020, wenn der Mietvertrag ausläuft, stehen soll, muss das Projekt in den nächsten anderthalb Jahren aufgegleist und die Finanzierung gesichert sein. Kunath spricht von Kosten von gegen 10 Millionen Franken. Hilfiker ist zuversichtlich und kann sich vorstellen, dass die Stadt ein Darlehen gewährt wie dies auch schon beim Rolling Rock und bei der Reithalle im Schachen geschehen ist. Vorteil wäre, dass dadurch die Investitionsrechnung der Stadt nicht belastet wird. Die Pläne des KIFF stünden so auch nicht in Konkurrenz zum anderen kulturellen Vorhaben in der Reithalle im Kasernenareal. Hilfiker ergänzt, dass auch der Kanton einen Beitrag an einen Neubau leisten sollte. Dazu sollen auch Drittfinanzierungen geprüft werden. «Es ist eine Herkulesaufgabe», sagt Dredge, «doch für die Zukunft des KiFF bin ich heute optimistischer als auch schon.»

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