Der UNO-Sicherheitsrat hat am Mittwoch einstimmig eine Resolution beschlossen, die allen 193 Mitgliedstaaten vorschreibt, was sie gegen den IS unternehmen müssen. Plötzlich stehen die USA, Russland und Europa auf einer Seite. Wer hätte das gedacht?

Immer wieder wird die unvorstellbare Brutalität als Grund für das weltweite Entsetzen über den IS genannt. Das stimmt jedoch nur teilweise, denn barbarische Akte gab es schon immer.

Und es gibt sie auch heute anderswo: Im Südsudan werden täglich Gräueltaten verübt, die denjenigen des IS in nichts nachstehen.

Bloss nimmt das im Westen kaum jemand zur Kenntnis. Der grosse Unterschied: Der IS hat drei neue Dimensionen des Terrors geschaffen.

Nie zuvor wurden barbarische Akte derart inszeniert

Die «New York Times» schrieb dazu: «Der Fanatismus und die Enthauptungen des IS stammen aus früheren Jahrhunderten. Jedoch sind sie auf der Höhe der Zeit, wie sie die Medien nutzen.»

Die Medienabteilung des IS arbeitet in der Tat wie diejenige eines internationalen Grosskonzerns; sie nutzt Twitter für ihre Meldungen, Instagram für Bilder, Whatsapp für Videos.

So wird das Grauen live auf unsere Handys übertragen. Wir sehen den Bergführer aus Nizza, der auf einer Wanderung in Algerien entführt und enthauptet wird.

Es sind diese Bilder, die in der westlichen Welt eine Mischung aus Abscheu und Angst auslösen. Und es sind diese Bilder, die für den IS zur perfekten Propaganda werden, um Kämpfer zu rekrutieren. «Sie sind sehr geschickt darin, ein junges Publikum anzusprechen», sagt der US-Psychologe und Terrorismus-Experte John G. Horgan. Ohne Bilder hätte der IS niemals diese Bedeutung erlangt, die er hat.

Nie zuvor kämpften so viele Westler für den Terror

Der IS verfügt laut CIA über rund 30 000 Kämpfer, rund 3000 davon sollen Westeuropäer sein. Das macht die Organisation so unberechenbar und gefährlich. Denn die barbarischen Akte sollen nicht nur in ihrem eigenen Gebiet stattfinden, sie sind oder waren auch in Australien, Frankreich und anderswo geplant. Gelingt es dem IS tatsächlich, den Terror in die westlichen Staaten zu tragen, so wäre das eine weitere Eskalation.

Nie zuvor verfügte eine Terrororganisation über Land

Der IS kontrolliert heute weite Teile des Iraks und Syriens. Und da muss sich der Westen unbequeme Fragen gefallen lassen. Es wäre mehr als zynisch zu sagen, man wünsche sich Diktator Saddam Hussein zurück.

Trotzdem hätte Saddam wohl noch jahrzehntelang regieren können – es wären nicht so viele Menschen umgekommen wie in der Ära nach ihm.

Der IS nennt sich zwar «Staat», hat aber mit einem Staat nichts zu tun: Er ist ein Mix aus Armee und Terror-Gang, der im Namen einer Weltreligion mit 1,6 Milliarden Gläubigen wütet.

Der IS hat auch Auswirkungen auf die Schweiz. Muslime sehen sich unberechtigterweise plötzlich einem Generalverdacht ausgesetzt.

Und da sind die drei Terrorverdächtigen, die im Kanton Schaffhausen verhaftet wurden. Sie sollen einen Anschlag geplant haben, die Rede ist von Gas und Sprengstoff.

«Nordwestschweiz»-Auslandchefin Dagmar Heuberger schrieb gestern zu Recht: «In der Geschichte hat noch keine einzige Terrorgruppe ihre Ziele erreicht. Natürlich gilt es, die Gefahr ernst zu nehmen. Panikmache ist jedoch fehl am Platz.»

Trotzdem wird der IS Folgen haben für die Schweiz – etwa dann, wenn das Parlament darüber berät, wie viel Kompetenzen der Nachrichtendienst erhält.

Es sieht nach mehr Überwachung aus. Und falls dem IS tatsächlich ein Anschlag in der Schweiz gelingt, was man nie ausschliessen kann: Sie wäre danach nicht mehr das offene, tolerante Land von heute.