Sonntag, 12. August. Gleich drei mindestens 20-köpfige Fahnenschwinger-Gruppen, jeweils mit eigenem Fanfaren-/Tambouren-Zug, bereicherten gestern Abend den traditionellen, mittelalterlichen Umzug «Corteo storico di Fedrico II» in Oria. Das war unsere bisher spektakulärste Begegnung mit dem Fahnenschwingen auf unserer «Pizza-Tour». «Sbandieratori» trafen wir bei Auftritten aber auch beim abendlichen Training überall in Italien.

Nachwuchsförderung gross geschrieben

Vor allem das Training - für den offensichtlich gut gepflegten Nachwuchs gibt es eigentliche Fahnenschwinger-Schulen - hat einen hohen Stellenwert, denn das Fahnenschwingen ist hier nicht nur dynamischer und «choreographierter» als bei uns, sondern wird wettkampfmässig betrieben. Die Gruppen formieren sich meist im Laufschritt und zum Programmablauf gehört auch das Fahnenschwingen in Pyramidenformation - ein spektakulärer Augenschmaus.

Vervollständigt wird der rund einstündige Umzug durch verschiedenste mittelalterliche Motive, von Landsknechten und Kreuzrittern über Feuerschlucker und Schlangenbändiger bis zu Edelleuten, Bauchtänzerinnen und Haremsdamen auf Kamelen. Wie kommt «Federico II» in den Namen des Umzugs? Unübersehbar thront über der Altstadt von Oria das mächtige «castello svevo», das Schwabenschloss. Es hat seine Bezeichnung von seinem Erbauer, dem Hohenstaufen-Kaiser Friedrich II.

Ritterturnier der Stadtquartiere

Der gestrige mittelalterliche Umzug bildet nur einen der zahlreichen Programmpunkte des jährlichen historischen Wochenendes in Oria. Höhepunkt des Festes ist das «Torneo dei Rioni» heute Abend. Im Stil eines mittelalterlichen Ritterturniers kämpfen dabei die vier Stadtquartiere gegeneinander. Das wäre offensichtlich ebenfalls sehr sehenswert. Für uns würde das nochmals zwei mal anderthalb Stunden Autofahrt bedeuten. Wir verzichten schweren Herzens (Motto: Man muss nicht immer alles gesehen haben wollen).

Wie kam wohl das Fahnenschwingen zu uns?

Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Fahnenschwingen gemäss Homepage des «Federazione Italiana Sbandieratori» (www.fisb.net) übrigens im Jahr 687. Die Wurzeln dürften aber in vorchristliche Zeiten zurückreichen. Wie kam dieser schöne Brauch über die Alpen bis zu uns? Meine Vermutung: Nach der Niederlage bei Marignano im Jahr 1515 dachten sich die alten Eidgenossen: «Wenn wir schon keine Kriegsbeute haben, bringen wir wenigstens das Fahnenschwingen nach Hause!»