Pizza-Tour

…und am Abend zur Sagra

Am Preis liegt es nicht, dass an einer Sagra nicht mehr getrunken wird. Ein Glas Wein kostet hier einen Euro.

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Am Preis liegt es nicht, dass an einer Sagra nicht mehr getrunken wird. Ein Glas Wein kostet hier einen Euro.

Die ganze Schweiz sei eine Festhütte, heisst es jeweils Ende Juni. In Süditalien haben von Mitte Juli bis Mitte August täglich ein paar Städte eine Sagra – ein Volksfest. Aber gefestet wird hier anders als bei uns: Fröhlicher und doch gesitteter.

Sonntag, 5. August. Jede Sagra, jedes Volksfest, hat hier ein Motto. Meistens leitet es sich von der Hauptspeise ab, die angeboten wird. Gestern Abend waren wir hier in Ugento an der «Sagra te ciciri e tria» (Fest der Kichererbsen und Nudeln). Obwohl man es sich als Schweizer fast nicht vorstellen kann: Nudeln mit Kichererbsen schmecken tatsächlich vorzüglich! In anderen Städten des Salento gab es gestern Abend unter anderem ein Fest des Brotes und der Tomaten, ein Fest der Tintenfische oder ein Fest des Olivenbrots. Oft sind die Bezeichnungen im örtlichen Dialekt formuliert und deshalb für uns «Stranieri» weder verständlich noch aussprechbar, wie etwa die «Sagra te l‘Uddhratieddhru», bei der es offenbar um spezielle Schneckengerichte geht.

Essen, trinken, geniessen

Eine Sagra findet meist auf einem zentralen Platz, vielfach vor malerisch historischer Gebäudekulisse statt. Neben dem Gericht gemäss Festmotto gibt es meist Pittule (frittierte, gewürzte Brotteigbällchen) und weitere meist lokale Spezialitäten wie Pferderagout, gefüllte Olivenbrote, frittierte Meeresfrüchte sowie Vorspeisen und Desserts. Das Getränkeangebot ist wie bei uns, Wein, Bier, Mineral, nur billiger.

Ergänzt wird das kulinarische Angebot in der Regel durch eine Bühne mit Show- und Musikdarbietungen von bemerkenswertem Niveau, durch Ausstellungen und durch Dutzende von «Chilbimarktständen» mit Schmuck, Spielwaren, Souvenirs, Süssigkeiten und so weiter.

Was ist anders?

Mit Ausnahme des kulinarischen Angebots scheint sich die Sagra demnach kaum von einem Schweizer Volksfest zu unterscheiden. Und doch:

Gegessen und getrunken wird praktisch ausschliesslich stehend, d.h. es gibt Tische, aber keine Bänke. Vorteil: die Festbesucher zirkulieren viel mehr als bei uns.

Es wird getrunken, aber kaum «gesoffen». Torkelnde, grölende Italiener haben wir bisher keine gesichtet.

Die Hygienevorschriften sind hier offensichtlich strenger als bei uns. All die freiwilligen Helfer in Küche, Speisenausgabe und sogar am Getränkestand tragen bei der Arbeit konsequent Hauben und Handschuhe.

Alles ist hier ein wenig chaotischer als bei uns.

Einweg-Plastikgeschirr ist bei den Sagras Standart. Die entstehenden Müllberge sind enorm.

Eine Sagra beginnt kaum je vor 21 Uhr.

Sagras sind ausgesprochen fröhliche, friedliche Volksfeste für die ganze Familie. Vom Bimbo im Kinderwagen bis zum Nonno sind alle dabei - bis nach Mitternacht.

Sagras machen Spass, sind kulinarisch und kulturell interessant und erst noch kostengünstig. Für morgen haben wir das «Festa del Pesce», das Fischfest in Taurisano auf dem Programm.

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