Kommentar

Überall Gewalt und Rachedurst

Mindestens 37 Menschen wurden beim Anschlag in Tunesien getötet.

Mindestens 37 Menschen wurden beim Anschlag in Tunesien getötet.

Der Ramadan - der Monat des Friedens - wird immer wieder missbraucht für terroristische Attentate. Nun droht auch Tunesien - die letzte Bastion der Hoffnung im arabischen Frühling - in den Strudel der Instabilität gerissen zu werden. Ein Kommentar.

Während Muslime in aller Welt normalerweise den Fastenmonat Ramadan als Wochen des Friedens, der Freundschaft und der Besinnlichkeit zelebrieren, war für die Extremsten in ihren Reihen die vierwöchige heilige Zeit schon immer Ansporn zu noch mehr Terror und Gewalt. Doch selten ballte sich selbst im Nahen Osten der Horror so zusammen wie am Freitag.

Tunesien erlebte das schrecklichste Attentat auf ausländische Touristen seit seiner Unabhängigkeit. In Angst und Panik versuchen jetzt Zehntausende Feriengäste, mit heiler Haut aus dem Land zu kommen, wo sie eigentlich Ruhe und Entspannung finden wollten. Der Tourismus, das wichtigste wirtschaftliche Rückgrat der einzigen noch verbliebenen Nation des Arabischen Frühlings, ist wahrscheinlich auf Jahre ruiniert – mit allen destabilisierenden sozialen Folgen, die eine solche Katastrophe für die Gesellschaft mit sich bringt.

Vor gut vier Jahren nahmen in Tunesien die demokratischen Sehnsüchte in der arabischen Welt ihren Ausgang. Anders als Ägypten, Libyen, Jemen und Syrien hat die kleine 11-Millionen-Nation ihren Weg in die Demokratie bisher ohne Bürgerkrieg und ohne Militärputsch gemeistert. Doch nun droht der Terror auch diese letzte Bastion der Hoffnung in den destruktiven Abwärtsstrudel der arabischen Welt hineinzureissen.

Genauso wie am anderen Ende der arabischen Welt, wo in der superreichen Golfregion die Flammen der Destabilisierung erstmals offen züngeln. Der von Saudi-Arabien im Jemen vom Zaun gebrochene Luftkrieg gegen die Huthi beginnt sich als blutige innerislamische Konfrontation zwischen Sunniten und Schiiten in die Arabische Halbinsel hineinzufressen. Und der «Islamische Staat» agiert überall als Brandbeschleuniger. Die gesamte arabische Welt droht mit jedem Monat tiefer zu versinken in Gewalt, Radikalisierung und Rachedurst.

ausland@azmedien.ch

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