Vor diesem Winter, in dem weder Weltmeisterschaften noch Olympische Spiele stattfinden, hat sich Cologna den Gewinn der grossen Kristallkugel für den Sieg in der Gesamtwertung zum Ziel gesetzt. Nach den Heimrennen in Davos hat der Bündner nun gerade mal 108 Punkte auf dem Konto – und liegt damit im Vergleich mit dem souveränen Weltcupleader Martin Johnsrud Sundby aus Norwegen (566 Punkte) bereits deutlich im Hintertreffen.

Nach dem unerklärlich schwachen Auftritt vor einer Woche in Lillehammer mit dem 27. Platz in seiner Paradedisziplin Skiathlon, der einige Fragen aufwarf, hatte sich Cologna von den Rennen in Davos Antworten erhofft – und zumindest teilweise erhalten. Die wichtigste Erkenntnis: Der Formstand des 29-Jährigen ist nicht ganz auf dem gewünschten Niveau, es fehlt aber auch nicht allzu viel zur Topform. Im 30-km-Rennen vom Samstag wurden Cologna wie bereits in Lillehammer früher als gewohnt die Beine schwer. Zugleich erwischte er auf der 5-km-Schlaufe, auf der es zu zahlreichen Zusammenschlüssen mit früher oder später gestarteten Läufern kam, nicht den schnellsten Zug. Dennoch reichte es ihm immerhin zu einem 15. Platz. Dass er gestern im Sprint als 33. die Viertelfinal-Qualifikation knapp verpasste, ist vor diesem Hintergrund kein Beinbruch, konnte er doch mit Sundby und Petter Northug seine ärgsten Konkurrenten im Gesamtweltcup hinter sich lassen.

Zu viel Reiserei zwischen Skandinavien und Davos?

Die Kenntnis des Formstandes ist ein Teil, die Suche nach Ursachen und Korrekturmassnahmen der andere, schwierigere. Sowohl Cologna als auch Coach Ivan Hudac sprechen von einer gelungenen Saisonvorbereitung mit quantitativ und qualitativ gutem Training und ohne nennenswerte Rückschläge. Noch bei den Vorbereitungsrennen in Finnland und beim Weltcupauftakt in Kuusamo, wo Cologna als Dritter aufs Podest lief, schien er noch auf Kurs. Zudem gibt es beim dreifachen Gesamtweltcupsieger keine Anzeichen für grundsätzliche gesundheitliche Probleme.

Die plausibelste Erklärung für Colognas Formrückstand ist deshalb, dass er in den reiseintensiven Wochen nach dem Saisonstart das Training im hochintensiven Bereich etwas vernachlässigt haben könnte. Zwischen den Rennen in Kuusamo und Lillehammer reiste das Schweizer Team kurz nach Hause, dann nach Norwegen und wieder zurück. Wegen der Reiserei und der raschen Wechsel zwischen Höhenlage in Davos und tieferen Lagen wurde dabei viel Wert auf die Erholung gelegt. Womöglich zu viel. Mit einem Trainingsblock mit einem hohen Anteil an intensiven Einheiten versucht Cologna dies nun bis zur Tour de Ski, die am Neujahrstag auf der Lenzerheide beginnt, noch zu korrigieren. Damit startete er noch gestern, indem er nach seinem Ausscheiden in der Sprint-Qualifikation noch ein zusätzliches Training absolvierte.

Kann Cologna Sundby an der Tour de Ski Paroli bieten?

Es ist Dario Cologna zuzutrauen, dass er bis zur Tour de Ski, die er bereits dreimal gewonnen hat, noch zur Hochform auflaufen kann. Ob das dann reicht, um dem bisher dominant auftretenden Titelverteidiger Sundby Paroli zu bieten, steht auf einem anderen Blatt. Um den Gesamtweltcup tatsächlich noch gewinnen zu können, muss Cologna nach dem Jahreswechsel nicht nur mächtig punkten, sondern auch auf einen Einbruch des Norwegers hoffen.