Kommentar

Schulleiter im Gemeindehaus: Ist «vor Ort» vorbei?

Schulklasse vor Schulhaus

Schulklasse vor Schulhaus

Im neuen Jahrtausend haben die meisten Kantone ihre Schulleitungen professionalisiert.

An die Stelle von weitgehend machtlosen Rektoren und einer Fernsteuerung aus der Bildungsverwaltung trat die «Führung vor Ort». Sie garantierte den Schulen mehr Autonomie und eine Leitung durch ausgebildete Fachpersonen. 

Holt nun die Macht des Faktischen diese für die Schulen gute Entwicklung wieder ein? Das Faktische ist eben auch dies: vielerorts zu kleine Schulleitungspensen, Forderung nach Zusammenlegungen und Synergien – in vielen Kantonen werden ja zurzeit Sparpakete geschnürt, die auch die Schulen treffen. Ein vollamtlicher Leiter für mehrere Schulen ist vielleicht wirkungsvoller als ein 30-Prozent-Leiter «vor Ort», der im Strudel der Aufgaben versinkt.

Trotzdem. «Der Schulleiter im Gemeindehaus» – das ist kein guter Trend. Die strategische Führung sitzt ausserhalb der Schule, in der Schulpflege, im Gemeinderat. Die fachliche Führung aber, die muss mittendrin sitzen, muss den Atem des Organismus spüren, muss die Sorgen und Nöte der Lehrkräfte kennen, muss jederzeit ansprechbar sein. Schuleleiten – das ist nicht primär Administrieren, dafür sind die Schulsekretariate zuständig. Schuleleiten heisst: Pädagogische Führung. Personalführung. Unterrichtsentwicklung. Qualitätssicherung. Unterstützung von Lehrpersonen. Schulordnung durchsetzen. Es bedarf keiner detaillierten Beweisführung, dass dies nur «vor Ort» wirklich funktioniert.

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