Polemik

Wie kann man das als Leser glauben?

Das Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Kreuzlingen.

Das Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Kreuzlingen.

Die Undercover-Reportage aus dem Asylheim ist nicht über alle Zweifel erhaben.

Shams ul-Haq lebte fünf Tage als Undercover-Journalist in einem Schweizer Asylheim. Seine Erlebnisse hat die «Sonntagszeitung» als dreiseitige Reportage an prominentester Stelle abgedruckt. Darin kommt Brisantes zutage: Sicherheitsbeamte verspotten, demütigen und schlagen die Asylsuchenden. Es leben dort mutmassliche Drogendealer und IS-Kämpfer. Und als ul-Haq genug hatte, konnte er das Asylzentrum einfach so wieder verlassen. Ohne dass jemanden gekümmert hätte, wohin der angebliche pakistanische Asylant nun geht.

Die «Sonntagszeitung» hat recht, das ist in der Tat höchst brisant. Nur kann ich der Zeitung leider nicht glauben. Und das liegt nicht an der Reportage des Journalisten ul-Haq selber, sondern an den Worten des Chefredaktors Arthur Rutishauser. Der schreibt nämlich in seinem Editorial «Wenn die Schilderung stimmt (..), ist das ein Skandal.» Moment mal. Das heisst also, dass er sich nicht sicher ist, dass die Schilderung stimmt. Da fragt man sich: Wenn der Chefredaktor offenkundig selber an der Geschichte zweifelt, wie kann man dann als Leser dieser Zeitung glauben?

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