Polemik

Versteht die Polizei genug von Oper?

Töne, die durch Mark und Bein gehen. (Archiv)

Töne, die durch Mark und Bein gehen. (Archiv)

Weil er glaubte, im Darmstädter Theaterparkhaus eine Frau schreien zu hören, hat ein Passant spätnachts die Polizei gerufen. Das Verbrechen fand auf der Bühne statt.

Der Mann sei vor lauter Angst schnell weggelaufen, berichtete die Polizei. Nur mit einer kurz darauf eintreffenden Polizeistreife habe er sich in der folgenden Nacht an den Tatort zurückgewagt.

Dort klärte sich der Vorfall auf: Im Parkhaus des Staatstheaters läuft rund um die Uhr über Lautsprecher Opernmusik. Die lauten Arien der Sängerinnen hatte der Mann mit Frauenschreien verwechselt, offenbar habe er «erstmals Bekanntschaft mit dieser Musikrichtung» gemacht. Die Beamten verliessen laut Polizeibericht kopfschüttelnd den Schauplatz.

Und ich schüttle den Kopf ob dieser Arroganz! Vielleicht schlachtete zur Tatzeit Orest gerade seine Mutter («Elektra»), vielleicht tanzte Salome mit dem abgeschlagenen Kopf des Jochanaan, vielleicht erstach Tosca gerade Scarpia. Vielleicht sang sogar Mara Zampieri. Da gibt es nichts zu lachen, da spritzt Blut in Tönen an die Parkhauswand. Realität und Fantasie verschmelzen.

Ich ziehe tief den Hut vor dem verspotteten Darmstädter. Sein Leben als Opernfan hat in jener Nacht begonnen.

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